Der Star-Regisseur bricht auf der Bühne zusammen und stirbt

23.07.2022 14:32 (23.07.2022 14:32)

Stefan Soltesz starb am Freitag während eines Auftritts. ©APA/dpa

Tragödie am Nationaltheater München: Dirigent Stefan Soltesz brach während einer Aufführung zusammen und starb später.

Mit Entsetzen und großer Trauer habe die Bayerische Staatsoper den Tod des 73-Jährigen bekannt gegeben, sagte der Sprecher des Hauses, Michael Würges. Zur Todesursache wollte er keine Angaben machen.

Der Vorfall ereignete sich am Freitagabend, als Soltesz die komische Oper La dona silenciosa inszenierte. Kurz vor Ende des ersten Aktes bricht der Regisseur plötzlich zusammen. „Dann wurde er sofort vom Publikum und vom Theaterarzt behandelt“, beschrieb Wuerges am Samstag die bewegenden Szenen im vollbesetzten Orchestergraben. Der Krankenwagen wurde gerufen, doch für den 73-Jährigen gab es keine Hilfe. Soltesz starb noch in derselben Nacht im Krankenhaus.

„Wir verlieren einen begnadeten Regisseur“

Die Musikwelt reagierte mit Bestürzung. „Die Nachricht vom Zusammenbruch und Tod von Stefan Soltesz macht mich zutiefst traurig“, sagte Opernregisseur Serge Dorny in München. „Wir verlieren einen begnadeten Regisseur. Ich verliere einen guten Freund. Meine Gedanken sind bei seiner Frau Michaela.“

“Wenn große Künstler sterben, geht manchmal nicht nur ein Leben, sondern auch eine Ära unwiderruflich zu Ende”, schrieb die Deutsche Oper Berlin über Soltesz’ Tod, der diesen Punkt markiert. Der 73-Jährige war wohl der letzte Vertreter der Tradition der österreichisch-ungarischen Kapellmeister, die den Dirigentenberuf im 20. Jahrhundert nachhaltig prägte. Auf elegante Weise fand er für jedes Werk den richtigen Ton.

“Ein wahrer Lehrer”

Soltesz’ Regie galt als spannend, es ging ihm nicht um schnellen Ruhm. Die Bayerische Staatsoper ehrt den Ausnahmemusiker als „Handwerker an der Spitze eines Orchesters, ein Respektsgarant“ – für den Komponisten, aber auch für die Musiker im Orchester und die Sänger auf der Bühne. “Er war ein außerordentlich sensibler Dirigent, der die Partituren klar hinterließ und die Intimität der Musik schätzte.” Das brachte ihm den Respekt aller Musiker in den von ihm geleiteten Orchestern ein.

„Wir verlieren einen Dirigenten, dem wir unzählige musikalische Sternstunden zu verdanken haben“, kommentierte Dagmar Schlingmann, Intendantin des Staatstheaters Braunschweig, den Tod des 73-Jährigen. „Seine Auftritte, die mich leben ließen, sind unvergesslich. Ein wahrer Meister“, sagte der Generalmusikdirektor des Staatsorchesters Braunschweig, Srba Dinić.

Österreichischer Pass

Der am 6. Januar 1949 in Ungarn geborene Soltesz studierte Dirigieren, Komposition und Klavier an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, nach Angaben der Bayerischen Staatsoper. Nach Stationen als Dirigent in Wien und Graz sowie als musikalischer Assistent von Karl Böhm, Christoph von Dohnányi und Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen wurde er Intendant der Hamburgischen Staatsoper und Generalmusikdirektor am Staatstheater Braunschweig. Zwischen 1985 und 1997 dirigierte er allein an der Deutschen Oper Berlin mehr als 350 Vorstellungen.

Von 1992 bis 1997 war er Chefdirigent der Flämischen Oper in Antwerpen/Gent, von 1997 bis 2013 Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker und künstlerischer Leiter des Aalto-Musiktheaters. Soltesz, der einen österreichischen Pass besitzt, ist zudem Gastdirigent an allen großen deutschen Opernhäusern. Sein Talent führte ihn nach Angaben der Bayerischen Staatsoper nach Wien, Paris, Rom, Budapest, Warschau, Amsterdam und London.

Schweigeminute

In München debütierte er 1995 an der Bayerischen Staatsoper mit der Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Gioacchino Rossini. Außerdem inszeniert er in der bayerischen Landeshauptstadt „La Bohème“, „Der fliegende Holländer“, „Arabella“ und mehr. Richard Strauss’ farbenprächtiges „Die schweigende Frau“, eine Opernrarität, sollte am Freitagabend im Nationaltheater zum letzten Mal aufgeführt werden.

„Kurz vor Ende des ersten Aktes brach Herr Soltesz im Straßengraben zusammen“, berichtete Wuerges am nächsten Tag. Der Saal, in dem fast 2.000 Menschen saßen und die fröhliche Oper sahen, war gereinigt worden. “Und nach der Pause hörte die Leistung endlich auf.” Es war gegen 20.20 Uhr, die Aufführung hatte um 19.05 Uhr begonnen. “Wir waren fast ausverkauft.”

“Das Bayerische Staatsorchester hat vor der heutigen Probe eine Schweigeminute eingelegt”, sagte Würges wenige Stunden nach Soltesz’ Tod. “Die nächsten beiden Vorstellungen ‘Capriccio’ und ‘Der Rosenkavalier’ werden Herrn Soltesz gewidmet sein.”

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