Stand: 14.06.2022 07:53 Uhr
“Leider ist es noch ein langer Weg” – Landwirtschaftsminister Özdemir geht davon aus, dass die Lebensmittelpreise vor allem im Herbst weiter steigen werden. Sorgen bereitet auch der heute beginnende Farmers’ Day den Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Agrarmärkte.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir rechnet mit weiter steigenden Lebensmittelpreisen in Deutschland. “Leider ist es noch ein weiter Weg”, sagte der Minister der Düsseldorfer Rheinischen Post. Die Lebensmittelindustrie hat lange Energieeinkaufsfristen. „Wir müssen im Herbst und Winter mit Steigerungen rechnen, weil jetzt das Gewerbe mit teurer Energie versorgt werden muss und die Preissteigerungen an die Kunden weitergegeben werden.“
„Teil der russischen Strategie“
Im gemeinsamen Vormittagsprogramm von ARD und ZDF sagte Özdemir über den russischen Angriff auf die Ukraine, dass dies Teil der Strategie Russlands sei, ukrainische Getreideexporte zu blockieren, um die globale Ernährungskrise weiter zu verschärfen. Deshalb „ist es Teil der Strategie, die Ukraine so zu trainieren, dass sie in diesem Krieg erfolgreich sein kann“, sagte Özdemir.
In der „Rheinischen Post“ verteidigte Özdemir im Kampf gegen hohe Lebensmittelpreise auch seinen Vorschlag, die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte abzuschaffen. „Es kann keine ernsthafte Kontroverse darüber geben, dass das derzeitige Mehrwertsteuersystem grundlegend überarbeitet werden muss“, sagte er. „Logik, Einfachheit und Nachhaltigkeit sind hier die Stichworte. Du beendest meinen Vorschlag schnell.“
Deutscher Bauerntag in Lübeck
Die Auswirkungen des Ukrainekriegs auf Agrarmärkte und Lebensmittelpreise werden auch zentrales Thema des heute beginnenden Deutschen Bauerntags in Lübeck sein, zu dem auch Özdemir erwartet wird. Viele Betriebe kämpfen laut Bauernverband mit steigenden Energie- und Düngekosten. In diesem Zusammenhang sind auch Lebensmittel im Supermarkt teurer geworden.
Aufgrund fehlender Getreideexporte aus der Ukraine ist in einigen Staaten auch mit Versorgungsengpässen zu rechnen. Am Bauerntag sollten wir daher auch darüber sprechen, wie wir die angespannte Lage mit einer erhöhten Produktion in Deutschland entschärfen können.
Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sagte gegenüber NDR Info, dass die Lebensmittelpreise noch stärker steigen sollten, damit die Landwirte ihre Kosten decken können. „Dünger kostet das Vierfache, Futtermittel das Doppelte, Diesel ist fast unbezahlbar. Landwirte brauchen einfach höhere Preise, um produzieren zu können“, sagt Rukwied.
Verwenden Sie mehr Land, um Lebensmittel anzubauen
Auch der Bauernverband sprach sich dafür aus, zusätzliche Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln zu nutzen. Özdemir hat unter anderem die Verfütterung von Gräsern und Pflanzen aus bestimmten „ökologischen Vorranggebieten“ in Ausnahmefällen ermöglicht, lehnt aber neue Aufrufe ab, Getreide auch auf Brachland anzubauen.
Generell forderte die mitregierende FDP mehr Spielräume für die Landwirte. Landwirte brauchen Raum für eigenständige betriebliche Entscheidungen und das richtige Handwerkszeug, sagte FDP-Agrarexperte Gero Hocker. Mehr Nachhaltigkeit lässt sich nicht mit staatlichen Transferleistungen erreichen, sondern mit Anreizen und Förderungen.
Vorschlag zur Kennzeichnung von Nutztieren
Özdemir hat nach jahrelangen Diskussionen auch einen neuen Versuch gestartet, Fleisch in Staatsviehbeständen zu kennzeichnen. Zudem sollte auch eine gesicherte Finanzierung vorhanden sein, damit Viehzüchter nicht allein gelassen werden, um in mehr Tierwohl im Stall zu investieren.
Nach den Empfehlungen eines Expertengremiums wird über einen höheren Mehrwertsteuersatz oder eine Besteuerung tierischer Produkte diskutiert. Denkbar wäre ein Aufpreis von 40 Cent pro Kilo Fleisch. Allerdings lehnt der FDP-Koalitionspartner Preiserhöhungen für Verbraucher angesichts der Inflation ab.
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