Der Euro zollte seiner jüngsten Rally am Dienstag Tribut.
Die Gemeinschaftswährung kostete mittags 1,0732 US-Dollar, fast einen halben Cent weniger als nachts. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0764 US-Dollar (Freitag: 1,0722 US-Dollar) festgelegt.
Äußerungen von Fed-Gouverneur Christopher Waller vom Montagnachmittag fanden immer noch Widerhall, und Börsenhändler rechtfertigten die Kursverluste des Euro. Waller sprach sich für weitere deutliche Zinserhöhungen aus: „Deshalb unterstütze ich in mehreren Sitzungen eine Straffung der Politik um weitere 0,50 Prozentpunkte.“ Die US-Notenbank sollte die Zinsen weiter erhöhen, bis sich die Inflation wieder dem Zwei-Prozent-Ziel nähert.
Waller ist Mitglied des Führungsgremiums der Fed und hat eine Stimme in der Geldpolitik. Laut Börsenmaklern deuteten seine Äußerungen auf eine ziemlich strenge Geldpolitik in den USA hin. In den letzten Wochen wurde der Bericht der US-Notenbank über die jüngste Zinssitzung als Beweis dafür gewertet, dass die Geldpolitik nur schrittweise gestrafft wurde, um die hohe Inflation zu bekämpfen.
Auch im Euroraum ziehen die Preise stark an. Die Inflationsrate im Währungsraum kehrte auf ein Rekordhoch zurück. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich unerwartet um deutliche 8,1 %. Allerdings war die Überraschung nicht so groß, dass Börsenhändler nun ein härteres Vorgehen der Europäischen Zentralbank erwarten. Vertreter der EZB-Notenbank haben kürzlich eine erste Zinserhöhung für Juli signalisiert.
„Die Inflationsraten liegen fast auf US-Niveau, mit dem Unterschied, dass die Fed den geldpolitischen Kurswechsel bereits angekündigt hat“, sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Unterdessen kauft die EZB weiterhin Aktien und die Zinsen bleiben im negativen Bereich. „Die Hüter der europäischen Währung kommen zu spät“, resümierte Gitzel.
FRANKFURT (DPA-AFX)
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