Deutsche Bahn Status: Gewerkschaften: „Der 9-Euro-Schein macht krank“

Lage der Gewerkschaften der Deutschen Bahn: „Der 9-Euro-Schein macht krank“

17.07.2022, 09:39 Uhr

Mit der Einführung des 9-Euro-Tickets fährt er viel mehr als sonst mit der Bahn, mit Folgen. Jetzt schlagen die Gewerkschaften Alarm und sprechen von beispiellosen Zuständen. Chaos, Verschleiß, Krankenstände: „Das ist der Worst-Case-Szenario“, sagt GDL-Präsident Claus Weselsky.

Die beiden Gewerkschaften EVG und GDL sind sehr besorgt über die Situation bei der Deutschen Bahn. „Solche Zustände wie in diesem Sommer habe ich noch nie erlebt“, sagte Martin Burkert, Vizepräsident der Gewerkschaft Eisenbahn und Verkehr (EVG), der Welt am Sonntag. „Ich habe gesehen, wie Menschen in einem Zug von Rostock nach Hamburg buchstäblich aus dem Zug fielen, als sich die Türen öffneten“, sagte er.

Der Fahrgastansturm im Nahverkehr seit Anfang Juni hat zu starken Verschleißerscheinungen geführt. „Wir sehen sehr bald Schäden durch die intensive Nutzung des 9-Euro-Tickets: Die Aufzüge sind kaputt, die Zugtoiletten funktionieren nicht mehr, alles steht unter großer Belastung“, sagte Burkert. “Viele Teamkollegen sind bereits an der Belastungsgrenze.” Erhöht den Krankenstand. “Hinweis: Der Neun-Euro-Schein macht krank.”

Der Vorsitzende der Maschinengewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sprach in diesem Sommer von einem Chaos, das er auf der Bahn noch nie erlebt habe. „Das ist das absolute Worst-Case-Szenario“, sagte er der Zeitung. Die Situation der Aktiengesellschaft sei “katastrophal für jahrelange kaputte Ersparnisse”. Er plädierte erneut für eine klare Trennung von Netz und Betrieb, zumindest innerhalb des Konzerns.

Nur 58 Prozent der Fernzüge sind pünktlich

Der Landeskonzern hat mit erheblichen betrieblichen Problemen zu kämpfen: Für die Fahrgäste bedeutet dies viele Verspätungen. Nach Angaben des Unternehmens kamen im Juni nur 58 Prozent der Fernzüge und 88,5 Prozent der Regionalzüge pünktlich an ihrem Zielort an. Die Deutsche Bahn versuche, möglichst viele Menschen mit zusätzlichen Zügen auf einem überfüllten Schienennetz zu transportieren, erklärte Bahnchef Richard Lutz Ende Juni und sagte zu den Verspätungen: „Glauben Sie mir: Ich leide wie ein Hund.“

Um einen zuverlässigeren Betrieb und weniger Baubehinderungen zu erreichen, haben die Deutsche Bahn und Bundesverkehrsminister Volker Wissing eine „Generalsanierung“ der Hauptstrecken ab 2024 angekündigt. „Ich hoffe, dass wir das in Zukunft schaffen die Zuguhr wieder anzustellen“, sagte der FDP-Politiker, der erklärte, die Sanierung des Netzes habe „eine Priorität“.

Söder verlangt eine Jahreskarte von 365 Euro

In der Diskussion um ein 9-Euro-Nachfolgeticket reagierte das Verkehrsministerium zurückhaltend auf eine Anregung aus der Branche, ein Dauerticket für 69 Euro einzuführen. Ein Sprecher des Ressortleiters Volker Wissing sagte am Freitag, es gebe ein abgestimmtes Vorgehen, wonach im Herbst die Ergebnisse einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Zukunft und Finanzierung des ÖPNV vorliegen sollen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte sich für ein Dauerticket von 69 Euro ausgesprochen, das bundesweit für den öffentlichen Nahverkehr gelten soll. Das 9-Euro-Ticket läuft Ende August ab.

Angesichts von Inflation und Energiekrise in Deutschland forderte CSU-Chef Markus Söder am Wochenende mehr Entlastung für die Bevölkerung. Dazu gehören eine Verlängerung des Tankrabatts, ein Moratorium für staatliche Gebühren und eine Neun-Euro-Scheinverfolgungsverordnung, sagte der bayerische Ministerpräsident der Bild-Zeitung. „Mein Vorschlag wäre eine Jahreskarte von 365 Euro für alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Deutschland.“

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