wirtschaftlicher Preisverfall
Die Deutschen kaufen weniger Erdbeeren; die Ernte lohnt sich für die Bauern nicht
Stand: 11:46 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Warum werden manche Spargel wegen der hohen Inflation nicht mehr geerntet
Die Preise steigen und ein Ende ist offenbar nicht in Sicht. Statistiker haben für Mai eine Inflationsrate von 7,9 Prozent errechnet. Wenige Zahlen, aber mittlerweile geraten immer mehr Menschen in ernsthafte Schwierigkeiten, zum Beispiel im Supermarkt oder an der Tankstelle.
Erdbeeren könnte dieses Jahr ein spargelähnliches Schicksal bevorstehen. Trotz Inflation sinken die Preise, weil die Nachfrage nach „Wegwerf“-Lebensmitteln gering ist. Zudem überschwemmten Angebote aus anderen Ländern den Markt: Deutsche Obstbauern haben es schlecht.
Der Verkauf von Erdbeeren läuft in diesem Jahr für viele Landwirte in Deutschland nicht gut. Hohe Kosten, überschaubare Nachfrage und niedrige Preise trüben oft das Geschäft. Dabei half vor allem das gute Wetter im Mai, wie Eva Würtenberger von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn erklärte.
Das Angebot ist entsprechend gewachsen, aber viele Kunden haben weniger gekauft als sonst. Die Folge: Der bundesweite Durchschnittspreis sank auf unter fünf Euro pro Kilo.
Gleichzeitig seien in den vergangenen Monaten die Kosten für die Landwirte gestiegen, etwa für Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Jungpflanzen oder wegen steigender Energiepreise auch für den Transport, sagte Würtenberger in einer Mitteilung. Daher ist die Situation für viele Produzenten schwierig.
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Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hatte bereits Ende Mai darauf hingewiesen, dass einige Landwirte Erdbeeren nicht ernten, weil sie sich einfach nicht mehr lohnen. Die Kaufzurückhaltung ist laut Landwirtschaftskammer unter anderem auf Inflationseffekte zurückzuführen: Viele Produkte des täglichen Bedarfs sind teurer geworden, weshalb Kunden Lebensmittel wie Erdbeeren meiden.
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„Die Menschen sind zurückhaltender, der Rückgang ist moderat“, sagte der Landwirte-Vorsitzende Joachim Rukwied der dpa. „Stattdessen müssen unsere Produzenten mit gedumpten Importen rechnen, etwa drei Euro pro Kilo Spargel aus Italien.“ So kann das nicht passieren. „Sie stellen es dort hin. Das Ergebnis ist, dass einzelne Betriebe bereits Teilflächen der Ernte entfernt haben, weil sie keine Früchte trägt.“
Erdbeeren aus anderen Ländern kamen später als üblich
Auch Marktbeobachtungsexperte Würtenberger sprach von einer gewissen Kaufzurückhaltung. Zudem sei der Wettbewerbsdruck durch importierte Produkte im April dieses Jahres ungewöhnlich hoch gewesen, sagte er. “Der März war ziemlich cool in Spanien, der Saisonstart dort hat sich verzögert.” Dadurch waren spanische Erdbeeren in Deutschland erst später als üblich erhältlich.
Auch die Ernten in den Niederlanden und Belgien verzögerten sich, weil viele Erzeuger ihre Gewächshäuser aufgrund von Energiekosten weniger beheizt haben als in den Vorjahren. “Die Ware kam später auch auf den deutschen Markt.” Schon in der Vorverkaufsphase der ersten deutschen Erdbeeren im Freiland war das Angebot also deutlich höher als sonst; das machte auch den deutschen Obstbauern das Leben schwer.
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Ob ähnliche Entwicklungen etwa bei Kirschen und anderen Früchten bald zu erwarten seien, sei noch nicht absehbar, sagte der Experte. Beim Spargel hingegen beobachtet AMI bereits eine vergleichbare Tendenz zur Kaufzurückhaltung. Spargel gilt Experten zufolge als „Wegwerfgemüse“. Und wenn angesichts der hohen Inflation das Geld wirklich oder zumindest gefühlsmäßig angepasst ist, wird der ein oder andere Konsument beim Einkauf auf dem Wochenmarkt oder in Kaufhäusern stehen bleiben.