Deutschland: Lauterbach will im Herbst wieder drastische Corona-Maßnahmen

Gesundheitsminister Karl Lauterbach fordert harte Maßnahmen

Deutschland droht der nächste Corona-Hammer

Corona entspannt sich überall. Nicht so in Deutschland. Gesundheitsminister Karl Lauterbach fordert drastische Maßnahmen im Herbst. Dem SPD-Politiker droht damit starker Gegenwind.

In der Schweiz ist es mit Corona ruhig geblieben. Manchmal findet man in öffentlichen Verkehrsmitteln noch Menschen mit Masken. Fast nichts erinnert uns daran, was unser Leben zwei Jahre lang geprägt hat.

Anders in Deutschland. Mit Corona wird es wieder laut. Der Krachmacher: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59/SPD). Ab dem 1. Oktober drohen den Deutschen erneut drastische Maßnahmen.

Dem Robert-Koch-Institut liegen derzeit gut 264.000 Fälle in den letzten sieben Tagen vor (Stand: 15. August). Zum Vergleich mit der Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete am vergangenen Dienstag 21’817 Neuinfektionen in der Vorwoche. Deutschland hat 83 Millionen Einwohner, die Schweiz 8,7 Millionen. Mit anderen Worten: Die Inzidenz in Deutschland ist nicht viel höher als hierzulande, die möglichen Maßnahmen sind es.

Lauterbachs Forderungen sind kompromisslos: „Immer Masken tragen“ in Innenräumen. Damit nicht genug: Auch Obergrenzen für Personen könnten sich wieder durchsetzen.

“Permanenter Waffenstillstand mit ständiger Krone”

Klar ist, dass Lauterbach Gegenwind ins Gesicht weht. Zum Beispiel von Gesundheitsexperte Tino Sorge (47). Der CDU-Politiker fordert gegenüber der „Bild“ mehr Optimismus und Eigenverantwortung, statt einer „ständigen Krone aus Daueralarmismus“. Und: „Allgemeine Freiheitsbeschränkungen und Maskenpflicht“ hätten „schwerwiegende soziale Auswirkungen“. Maßnahmen sollten auf das „absolute Minimum“ beschränkt werden, so Sorge.

Und wenn es um die vierte Impfung geht, relativiert Virologe Klaus Stöhr (63): „Für die unter 70-Jährigen macht sie derzeit keinen Sinn. Sie können damit Ihre Antikörperzahl um zehn Prozent erhöhen, aber nur für ein paar Wochen.”

Das ist nicht alles der Gegner des Krisenszenarios Karl. Auch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen (60) kritisiert den deutschen Weg. Corona werde im Ausland “viel gelassener” behandelt, sagt er in der Zeitung. „Daher stellt sich die Frage, inwieweit ein deutscher Alleingang im dritten Jahr der Pandemie noch Sinn macht.“

Weitere Informationen zu Corona im Nachbarland

Andere nehmen es locker

Ein Blick nach Italien zeigt, dass andere Länder auf Entspannung statt Krisenstimmung setzen. Unvergessen sind die Bilder von Intensivstationen im Jahr 2020 mit Corona-Patienten an Beatmungsgeräten. Aber jetzt regiert das Dolce Vita in Bella Italia. Aktuell seien die Fallzahlen laut “ZDF” “deutlich höher” als im Sommer 2021. Allerdings wurden praktisch alle Maßnahmen abgeschafft. Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr wurde beibehalten.

Auch Frankreich zieht Laissez-faire der Angst vor. Die Regierung hat kürzlich die Corona-Beschränkungen und Einreisesperren aufgehoben. Ebenso entspannt ist die Stimmung unter den Briten: Hohe Infektionszahlen? Wen interessiert das! Fast keine Masken, keine Verpflichtung zur Isolierung von Infizierten. Auch die spanische Regierung macht keine Anstalten, im Herbst erneut drastische Maßnahmen zu verhängen. Also: Maskenpflicht im ÖPNV „ja“, Einschränkung des öffentlichen Lebens mehr „nein“. Voraussichtlich im Herbst wird es eine neue Impfkampagne geben. (nl)

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