Stand: 18.06.2022 13:59
Mehrere europäische Länder stöhnen angesichts der aktuellen Hitzewelle: In Deutschland könnte der bisherige Rekord fallen, in Frankreich ist die Rede von einer „echten Ausnahmesituation“. In Spanien gab es mehrere Waldbrände.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Wochenende erneut vor extremer Hitze gewarnt. In hohen Landesteilen, vor allem aber am Oberrhein und in Ostsachsen, werde mit sehr hohen Temperaturen gerechnet, teilte der DWD mit. Auch die UV-Strahlung wird hohe Werte erreichen. Der DWD hatte bereits gestern darauf hingewiesen, dass der bisherige Hitzerekord von 38,3 Grad für die zweite Dekade Juni 2002 aufgestellt bzw. übertroffen werden könnte.
Generell wurde mit Ausnahme einiger Küstenregionen mit Tageshöchsttemperaturen über 30 Grad gerechnet. Auch für die Nacht wurden die ersten starken Stürme vorhergesagt. In Norddeutschland könne es lokal zu Windböen von 150 km/h, Hagel und Starkregen kommen, sagte er. Die Hitze soll auch den größten Teil des morgigen Tages gehalten werden.
Die Landesapothekerkammer Hessen warnte vor Sonnenbrand, Heuschnupfen und Kreislaufproblemen. Menschen sollten viel Flüssigkeit zu sich nehmen und Sport mit maximaler Hitze vermeiden. Nach Angaben des Wiesbadener Gesundheitsamtes ist grundsätzlich jeder von den Gefahren der Hitze betroffen. Besonders gefährdet sind jedoch Kleinkinder, ältere Menschen und chronisch Kranke.
Der Wetterbericht
18.06.2022 12:31
Waldbrand im Landkreis Potsdam-Mittelmark
Durch die anhaltende Dürre steigt auch die Waldbrandgefahr. In Frohnsdorf bei Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark haben Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Technisches Hilfswerk gestern einen Großbrand ausgelöst. Der Brand zwischen Treuenbrietzen und Jüterborg im Landkreis Potsdam-Mittelmark hatte sich auf etwa 60 Hektar ausgebreitet.
Das Feuer ist zumindest vorerst gelöscht. Wie der Einsatzleiter weiter mitteilte, zeigen die Bilder der Drohnen, dass es derzeit keine offenen Feuer mehr gibt. Allerdings gibt es immer noch viel Rauch. 2018 hatte es in der Gegend bereits einen Großbrand gegeben. Damals wie heute wurden die Löscharbeiten dadurch erschwert, dass der Wald und die Wälder teilweise mit Munition verseucht sind. Die Brandursache ist noch nicht klar.
Auch in Baden-Württemberg sind die ersten Brände ausgebrochen. Wie die Feuerwehr mitteilte, ist in der vergangenen Nacht in einem Waldgebiet von Stuttgart mit einer Fläche von 40 Quadratmetern ein Feuer ausgebrochen. Anschließende Löscharbeiten wären schwierig gewesen, da ein Teil des Bodens aufgebrochen werden musste, um die letzte Glut zu löschen. Laut Polizei war der Zünder ein unkontrolliertes Lagerfeuer.
Zudem geriet im Ortenaukreis eine gemähte und völlig vertrocknete Wiese bei Meißenheim in Brand. Fast eine Quadratmeile Wiese brannte.
“Wirkliche Ausnahmesituation” in Frankreich
Auch in anderen Teilen Europas macht sich die Hitzewelle bemerkbar. In Frankreich werden Höchsttemperaturen von bis zu 43 Grad erwartet. Es sei davon auszugehen, dass absolute Hitzerekorde gebrochen würden, teilte der Wetterdienst Météo France mit. „Das ist eine echte Ausnahmesituation“, sagte er. Es wurden flächendeckend Temperaturen zwischen 35 und 39 Grad erwartet.
Im Zusammenhang mit der seit langem anhaltenden schweren Dürre besteht ein hohes Waldbrandrisiko und die Feuerwehr muss immer wieder zu den Brandherden in der Natur ausweichen. In Frankreich werden ab der Nacht Stürme an der Atlantikküste erwartet, die dann auch andere Landesteile betreffen werden. Lokal könnten diese Stürme von starken Windböen und starken Stürmen begleitet werden.
Im benachbarten Spanien, das ebenfalls von der ungewöhnlichen Hitze betroffen ist, verwüsten Waldbrände seit Tagen Tausende Hektar Land. Wegen eines Brandes in der zentralspanischen Region Kastilien-La Mancha wurden gestern mehr als 3.000 Menschen aus dem Vergnügungspark Puy du Fou evakuiert. In der Sierra del Culebra im Nordwesten des Landes sind bis zu 7.000 Hektar betroffen, 200 Menschen mussten vorsorglich aufgenommen werden.
Ein Hubschrauber löscht einen Waldbrand in Katalonien. Bild: AFP
Rationelle Wasserverteilung in Norditalien
In Norditalien hat die Poebene die schlimmste Dürre seit 70 Jahren erlitten. Im Bereich der großen Landwirtschaft rationieren inzwischen einige Gemeinden die Wasserverteilung. Nach Angaben des Landwirtschaftsverbands Coldiretti bedroht die Dürre die Hälfte der Anbaufläche in der Poebene und fast ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion des Landes. Der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana, sprach von einer “außerordentlich schwierigen Situation”. Er kündigte an, bald den Ausnahmezustand auszurufen.
Auch in Großbritannien ist es ungewöhnlich heiß: Gestern überstiegen die Temperaturen mancherorts die 30-Grad-Marke und brachen damit den dritten Tag in Folge die Temperaturrekorde der Saison. Laut Wissenschaftlern ist die Zunahme von Hitzewellen und Dürren eine direkte Folge der globalen Erwärmung. Sowohl die Intensität als auch die Dauer und Häufigkeit dieser Phänomene nehmen zu.
Zumindest in Deutschland wird im Laufe der neuen Woche mit einer Abkühlung gerechnet. Die tiefe „Ophelia“ drückt langsam ein weiteres Tief über Frankreich, eine Kaltfront mit teils heftigen Regenfällen von Nordwesten bis Mitteldeutschland. Hinter der Front, etwa nordwestlich einer vom Rheinland durch das Lüneburger Land nach Vorpommern verlaufenden Linie, ist es mit Höchsttemperaturen von 17 bis 27 Grad bereits merklich kühler.
Hitzewelle in Deutschland und Europa
Stefan Runden, NDR, 18.6.2022 14:07 Uhr