Die 25.000-Euro-Frage: Stagflation hat nur (fast) Verlierer

Die 25.000-Euro-Frage Stagflation hat (fast) nur Verlierer

Gastbeitrag von Marco Herrmann am 06.12.2022 um 06:14 Uhr

Das Inflationsziel der EZB von rund zwei Prozent ist nicht in Sicht. Gleichzeitig kühlt sich die Konjunktur ab. Es besteht die Gefahr einer Stagnation. Lesen Sie hier, was die Geschichte zu diesem Szenario verrät und wie sich Anleger positionieren sollten.

Politiker, Notenbanker, Investoren und der „kleine Mann“ haben ihre Sorge über die derzeit hohe Inflation. Die Senkung der Mineralölsteuer und des legendären 9-Euro-Scheins werden in den nächsten drei Monaten eine vorübergehende Entlastung sein. Dies ist jedoch keine Trendwende zum Besseren.

Von der konzertierten Aktion, in der Bundeskanzler Olaf Scholz mit Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern darüber diskutieren will, wie sich die Inflation kontrollieren lässt, darf man nicht zu viel erwarten. Hohe Inflationsraten werden uns wahrscheinlich länger begleiten, als uns lieb ist.

Marco Herrmann ist seit 1992 für namhafte Banken und Investmenthäuser tätig. Seit 2010 verantwortet er als CEO die Investmentstrategie der FIDUKA.

Der durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine notwendige Umbau unserer Energiewirtschaft, also der Ersatz des billigen russischen Pipelinegases durch teures Flüssigerdgas (LNG) vom Weltmarkt, der gleichzeitige Wechsel zu nachhaltigen Energielösungen und teilweise Verlegung. oder die Erholung der Produktion, also Deglobalisierung aus strategischen Gründen, gehören zu den Preismotoren der nächsten zehn Jahre.

drohende Stagnation

Dies wird auch in anderen Bereichen zu Preiserhöhungen führen. Die Wohnungsgruppe Vonovia etwa hat notwendige Mieterhöhungen in Aussicht gestellt, die der Inflation entsprechen sollen. In Deutschland waren es 7,9 % (8,1 % im Euroraum). Die aktuelle EZB-Inflationsprognose für die Währungsunion für 2023 und 2024 von 3,5 bzw. 2,1 Prozent ist eher Illusion als Realität.

Es gibt einige Parallelen zur Stagflation der 1970er Jahre, hauptsächlich aufgrund des externen Schocks der steigenden Energiekosten infolge von Versorgungsengpässen. Experten nennen den Anstieg der Preise in Kombination mit einer Stagnation oder sogar den Abbau einer Stagnation der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Zentralbanken reagierten daraufhin auf massive Zinserhöhungen (in den USA im zweistelligen Prozentbereich), was zu Anleiherenditen über der Inflationsrate führte.

Die Wirtschaft stagnierte aufgrund der Zinskollision

Kein Wunder, dass die Weltwirtschaft damals in eine Rezession geriet. Die aktuelle Situation unterscheidet sich jedoch in wesentlichen Punkten von der der 1970er Jahre. Die globale Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privatpersonen liegt heute bei etwa 250 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit mehr als doppelt so hoch wie vor 50 Jahren.

Übermäßige Zinserhöhungen könnten große Probleme verursachen, das wissen auch die Zentralbanken. Daher sind die Renditen von Verknüpfungen unter der Inflationsrate. In jedem Fall blicken die Anleiheinvestoren auf das schlimmste Jahr seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Zehn Prozent Kursverlust hatte es bei deutschen Staatsanleihen in der Vergangenheit noch nie gegeben. Anleger, die Sicherheit suchen, werden enttäuscht.

Bin Aktienmarkt es gibt auch ein Gefühl der Unsicherheit. Allerdings bewegen sich die Schwankungen im üblichen Rahmen, angenehm ist das nicht, aber das liegt leider in der Natur der Aktionen. Oder Die Vorteile der Abwertung und die Kryptowährungen haben gerade einen heftigen Absturz erlitten. Wie soll man in einem solchen Umfeld sein Vermögen anlegen, beispielsweise 25.000 Euro?

Ein Blick zurück hilft. In einer Studie untersuchten die Forscher die Entwicklung verschiedener Anlageklassen in den Phasen niedriger, mittlerer und hoher Inflation für den US-Markt in den letzten 50 Jahren. In einer mit der jetzigen vergleichbaren Situation – hohe Inflation bei gleichzeitiger Rezessionsgefahr und restriktiver werdender Geldpolitik – hat sich die Aktie gut entwickelt und nominal jährlich durchschnittlich sieben Prozent erwirtschaftet. Damit ist zumindest der Kapitalerhalt nach Abzug der Inflation sichergestellt.

Gold- und Silber-Edelmetalle haben sogar echte positive Renditen im mittleren Bereich erzielt. Im Allgemeinen geht es ihnen auch gut rohes Material, insbesondere Öl und Gas, schneiden in diesen Phasen gut ab. In den meisten Fällen sind sie aber auch einer der Auslöser für Preissteigerungen.

Die 25.000-Euro-Frage

Langfristig orientierte Anleger sollten daher weiterhin auf Sachwerte wie Aktien setzen und sich nicht von temporären Schwankungen täuschen lassen. Allerdings ist hier eine gute Diversifikation unerlässlich, um Einzelrisiken zu minimieren. Historisch gesehen haben sich billigere Value-Aktien, zu denen derzeit Rohstoff- und Pharmaaktien gehören, in diesen Phasen besser entwickelt als Wachstumsaktien, wie z. B. schnell wachsende Technologiewerte.

Ganz aufgeben sollten Anleger den wachstumsstarken Technologiesektor jedoch nicht, da viele weiterhin über hohe Cashflows verfügen und mittlerweile auch akzeptable und günstige Bewertungen haben. Risiken sind eher im Bereich des Konsums jenseits des alltäglichen Bedarfs zu sehen. Urlaube und größere Anschaffungen wie Autos, Möbel und Fernseher dürften aufgrund niedriger Realeinkommen verschoben werden.

Gold bleibt aufgrund seiner geringen Korrelation mit Aktien eine ausgezeichnete Ergänzung des Portfolios. Zwar hat sich der Preis des Edelmetalls zuletzt kaum bewegt, aber solange der Realzins, also der Zins nach Abzug der Inflation, deutlich negativ bleibt, besteht durchaus Aufwärtspotenzial.

Anleger sollten den geringsten Teil ihres Geldes in Anleihen investieren. In Frage kommen Unternehmensanleihen mit guter Bonität und Laufzeiten bis zu fünf Jahren oder etwas risikoärmere Anleihen mit variabler Verzinsung, dem sogenannten Floating. Das Verhältnis zwischen Sach- und Nominalwerten, also Aktien zu Gold und Obligationen, muss aber jeder für sich selbst bestimmen, je nach Alter und Risikobereitschaft.

Marco Herrmann ist seit 1992 für namhafte Banken und Investmenthäuser tätig. Seit 2010 verantwortet er als CEO die Investmentstrategie der FIDUKA.

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