Die Ampelkoalition plädiert für die Schuldenbremse

Aktualisiert am 23.07.2022 um 20:58 Uhr

  • Bundeskanzler Scholz hat Anfang nächsten Jahres eine weitere Entschädigung für die explodierenden Energiekosten zugesagt.
  • Aber was ist mit der Schuldenbremse?
  • Über die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP gehen die Meinungen auseinander.

Weitere aktuelle News finden Sie hier

Nach der Ankündigung neuer Erleichterungen für Energieverbraucher durch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) diskutiert die Koalition über den Umgang mit der Schuldenbremse. Arbeitsminister Hubertus Heil sieht angesichts der wirtschaftlichen Lage die zu erwartende Rückkehr zur Schuldenbremse ab 2023. „Wenn wir in eine massive Rezession geraten, muss die Frage, ob die Schuldenbremse eingehalten wird, von der Koalition neu bewertet werden“, sagte die SPD Politiker der OM-Mediengruppe. Auch die Grünen zweifeln an einer Rückkehr zur Schuldenbremse.

Die FDP hingegen will daran festhalten. „Solide Staatsfinanzen, keine Kreditpolitik und reduzierte Staatsausgaben helfen bei der Inflationsbekämpfung“, sagte Finanzminister Christian Lindner (FDP) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Angesichts der Zinskosten können wir uns immer mehr Schulden nicht mehr leisten.”

Lindner: „Wir können uns immer mehr Schulden nicht mehr leisten“

Am Freitag kündigte Scholz ein Rettungspaket für den angeschlagenen Energiekonzern Uniper an, das die Energiekosten für die Verbraucher weiter in die Höhe treiben wird. Gleichzeitig stellte der SPD-Politiker weitere Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger Anfang 2023 in Aussicht. Auf die Frage, ob die Schuldenbremse dann noch eingehalten werden solle, sagte er: „Übrigens, mit den Sachen sind wir Wenn wir hier darüber sprechen, gehen wir davon aus, dass wir die dafür erforderliche Finanzierungsmarge haben.”

Die seit 2011 im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse soll dafür sorgen, dass die Haushalte von Bund und Ländern ohne Krediteinnahmen auskommen. Für den Bund ist die Nettokreditaufnahme auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt. In “außergewöhnlichen Notsituationen” kann der Bundestag die Schuldenbremse jedoch aussetzen, etwa 2021 und 2022 wegen der Corona-Krise.

Heil: „Wir wissen nicht, was in den kommenden Wochen passiert“

Heil bemerkte diese Ausnahme. “Wir wissen nicht, was in den kommenden Wochen passieren wird. Ich werde hier das russische Gasembargo erwähnen”, sagte er. In diesem Fall könnte es zu einer „Nachverhandlungssituation“ kommen. Auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck, verweist auf die Ausnahmeregel. Für sie „komme es immer mehr wie eine so außergewöhnliche Notsituation vor“, sagte sie der „Bild“-Zeitung.

Die FDP hingegen sieht keinen Diskussionsbedarf. „Die Schuldenbremse in unserer Verfassung bildet eine Brandmauer gegen steigende Inflation und Kreditkosten“, sagte Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. „Anstatt diese Schutzfunktion immer wieder zu hinterfragen, rate ich dem Bundesarbeitsminister, genau zu überlegen, welche Einsparpotenziale er bei eigenen Projekten sieht.“

Unterdessen hat Finanzminister Lindner angekündigt, Anfang nächsten Jahres eine Absenkung der sogenannten kalten Steuerprogression durchsetzen zu wollen. In Kürze werde er einen Vorschlag machen, „wie wir die Grundprämie zum 1. Januar nach oben anpassen und wie ein neuer Lohntarif und eine neue Einkommensteuer aussehen sollen“, sagte der FDP-Vorsitzende.

Union fordert Hilfspakete für „wirklich Bedürftige“

„Kalte Progression“ bezeichnet eine Art Steuererhöhung, die beispielsweise dann rückgängig gemacht wird, wenn eine Lohnerhöhung vollständig von der Inflation aufgezehrt wird, aber dennoch eine Steuererhöhung nach sich zieht.

Die Union forderte, weitere Erleichterungen für die Bürger auf diejenigen zu beschränken, die sie wirklich brauchen. „Man muss sehr genau hinschauen, wo die Massenleidtragenden dieser Preiserhöhungen sind. Da brauchen wir gezielte Entlastung“, sagte der 1. Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, der dpa. “Der Kreis muss stark gezogen werden.”

Die bisherigen Päckchen seien „im Grunde mit der Schrotflinte geschossen oder – wenn man weniger martialisch sagen möchte – mit der Gießkanne verteilt worden“, kritisierte Frei. „Dadurch haben viele davon profitiert, für die diese Kursbewegung ärgerlich, aber nicht existenziell ist.“ Maßnahmen wie das Neun-Euro-Ticket oder der Tankrabatt für alle Fahrer soll es nicht mehr geben. (mt/dpa)

Aktualisiert am 23.07.2022 um 13:54 Uhr

Die Debatte um einen Nachfolger des 9-Euro-Scheins ist in vollem Gange. Viele wünschen sich ein ähnliches Angebot über den August hinaus. Der Finanzminister hat noch einmal deutlich gemacht, was er denkt. (Bildquelle: picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *