Die britische Airline erlaubt Tattoos: Die Schweiz verliert gute Leute

Ein ungewohntes Bild: Das Kabinenpersonal der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic muss seine Tattoos nicht mehr verdecken. Bild: Virgin Atlantic

Die Kabinenbesatzung der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic darf ihre Tattoos zeigen. Das lockt mehr Mitarbeiter an. In der Schweiz hält man davon trotz Personalmangel wenig.

04.06.2022, 20: 1705.06.2022, 12:24

Konsequenzen

Josie Hopkins Blitz vor der Kamera. Ihr linker Arm, der mit Blumen tätowiert ist, sitzt gut sichtbar auf ihrer Hüfte und posiert für das Foto ihres zukünftigen Arbeitgebers. Sie wird nächste Woche als Flugbegleiterin für Virgin Atlantic anfangen und freut sich über ihre neuen Richtlinien. Anfang dieser Woche gab die britische Fluggesellschaft bekannt, dass sie ihre Tattoo-Politik lockert. „Bei anderen Fluggesellschaften musste ich meine Tattoos immer verdecken und hatte das Gefühl, nicht ich selbst sein zu dürfen“, sagte er zu The Guardian.

Das Timing der Innovation ist erstaunlich: Überall kämpfen die Fluggesellschaften derzeit darum, genügend Personal zu finden. Insbesondere Kabinenbesatzungsmitglieder haben eine Nachfrage. Tausende Menschen verloren während der Pandemie ihren Job und wechselten später, andere waren erschöpft.

Schweizer Airlines bleiben konservativ

Gleiches gilt für die Schweiz. Die Swiss Airline musste im Mai dieses Jahres sogar einige Flüge streichen, weil nicht genügend Flugbegleiter zur Verfügung standen.

Dem Personalmangel entgegenzuwirken, etwa indem man sichtbare Tattoos zulässt, ist für die Schweizer kein Problem. Man wolle sich regelmäßig an veränderte Bedürfnisse und gesellschaftliche Trends anpassen, sagt Mediensprecher Michael Stief. Das letzte Mal war es Anfang Mai. Weibliche Crews können jetzt Schuhe mit Schnürsenkeln in Kombination mit Hosen tragen. Seit letztem Jahr können auch männliche Flugbegleiter die Frisur „Frühling“ und die Frisur „Mantel“ tragen.

Swiss Airline sieht “Man Bun” – … Bild: Shutterstock

… und “dezente” Frisuren als gesellschaftlicher Trend, der passt – Tattoos nicht. Bild: Shutterstock

“Unsere liberale Lebensweise in der Schweiz ist nicht auf andere Kulturen übertragbar.”

Andreas Meier, Mediensprecher Edelweiss

Auch Edelweiss will sich an bewährte Regeln halten. Ein Tattoo sei immer eine Frage der persönlichen Meinung und des persönlichen Geschmacks, sagt Edelweiss-Pressesprecher Andreas Meier. „Die Herkunft unserer Gäste ist so unterschiedlich wie unsere Reiseziele. Unsere liberale Lebensweise in der Schweiz ist nicht auf andere Kulturen übertragbar.“

In der Praxis setzt Edelweiss sein Motto sakrosankt durch. Ende 2017 wurde bekannt, dass eine Bewerberin wegen eines kleinen tätowierten Dreiecks auf ihrem Knöchel keine Stelle als Flugbegleiterin bei der Swiss Airline bekommen konnte.

„Viele junge Leute haben heutzutage Tattoos. Die Fluggesellschaften haben schon gute Leute vermisst.“

Jörg Berlinger, Gewerkschaftsführer

Der Personalmangel in der Branche sei allein durch die Entlastung nicht zu lösen, stimmt auch Jörg Berlinger von der Gewerkschaft Kapers zu. “Aber es würde das Problem ausschalten.”

Berlinger fügt hinzu: “Viele junge Leute haben heutzutage Tattoos und ich denke, sie haben gute Leute verpasst, weil sie sich nicht einmal bewerben.”

Berlinger hält es für zeitgemäß, Tattoos zeigen zu dürfen. Ich bezweifle, dass Kunden damit ein Problem haben. „Wir haben keine Zahlen, aber selbst in der Spitzengastronomie sieht man immer mehr tätowierte Mitarbeiter.“

Die Fluggesellschaft erlaubt Nagellack für Männer

Für andere Airlines ist es aber durchaus ein Problem, dem persönlichen Stil ihrer Mitarbeiter mehr Raum zu lassen.

Zum Beispiel bei der Lufthansa. Mediensprecherin Anja Stenger sagt: „Wir denken darüber nach, unseren Transportauftrag im Rahmen gesellschaftlich anerkannter Trends anzupassen, um mehr Individualität zu ermöglichen.“ Heutzutage gilt jedoch auch für die Lufthansa: Passagiere können Tätowierungen oder Piercings nicht sehen.

Auch die US-Fluggesellschaft United Airlines hat ihre Auflagen gelockert. Vor einem Jahr beschloss sie, unabhängig vom Geschlecht Standards für Haarlänge, Make-up und Nagellack zu setzen.

Die Regeln für Make-up und Nagellack gelten bei der US-amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines unabhängig vom Geschlecht. Bild: United Airlines

Bei der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic sei Flexibilität Teil der Kampagne „zur Förderung der Individualität“, heißt es. Die neue Regel besagt, dass Tätowierungen nicht mehr verdeckt werden sollen, Tätowierungen im Gesicht und am Hals sind aber weiterhin verboten. Gleiches gilt für unangemessene Themen wie Flüche, Gewalt oder Drogen.

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