Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher will künftig regionale Arbeitsmärkte über Ländergrenzen hinweg betrachten. Umweltminister Gewessler sieht Potenzial in der Energiewende.
Randregionen haben es nicht nur in Österreich schwer: Mangelnde Kinderbetreuungseinrichtungen lassen junge Familien abwandern, Homeoffice wird in Regionen ohne Breitband erschwert, Work-Life-Balance wird im Wettbewerb um Arbeitskräfte immer wichtiger. , so Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs (ÖVP). Die Mittwochsbefragung „Zukunft dezentraler Lebensräume“ befasst sich mit den Lösungsansätzen vom Mittwoch in der Landeskammer.
Wenn Sie periphere Regionen gezielt unterstützen wollen, müssen Sie diese zunächst konkret definieren. „Sonst bleibt alles Torso“, warnte der frühere EU-Agrarkommissar Franz Fischler (ÖVP) in seiner Grundsatzrede. Handlungsbedarf sieht er sowohl in Regionen fernab von wirtschaftlichen oder politischen Zentren als auch in unterentwickelten Regionen. Für ihn ist die Einbindung der Bevölkerung entscheidend für eine erfolgreiche Weiterentwicklung. “Wenn wir die Leute nicht dazu bringen, ihr Geschäft zu machen, hilft die Finanzierung nicht.”
Für Problemregionen sind Entwicklungspläne erforderlich, und nachhaltige Landwirtschaft sollte nicht allein verlassen werden. „Ohne Landwirtschaft geht es nicht, aber Landwirtschaft allein reicht nicht.“ Die EU-Strategie 2040 sieht beispielsweise vor, Gemeinden und Kommunen zu stärken, unter anderem verbesserte Entscheidungsstrukturen, bessere ÖPNV-Anbindung, mehr ÖPNV-Anbindung, Breitband und eine bessere Vernetzung von Randgebieten und Zentren. und dies auch über Grenzen hinweg. „Innovationen sind auch in den Randgebieten notwendig“, betonte er, obwohl dies aufgrund fehlender Infrastruktur schwieriger zu organisieren sei. Sie will auch Bedingungen an der Peripherie, um internationale Arbeitskräfte anzuziehen. Bildungseinrichtungen sind ein wichtiger Faktor.
Kocher ortet “regionales Missverhältnis”
Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) bezeichnete das sehr unterschiedliche „regionale Mismatch“ zwischen Stellen und Stellensuchenden als große Herausforderung bei der Personalsuche und der Betreuung von Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquote reicht von 3,6 % in Oberösterreich bis 10,2 % in Wien. In der Bundeshauptstadt gibt es die Hälfte der Lehrstellensuchenden, aber nur ein Zehntel der Lehrstellen. Gleichzeitig gibt es in Oberösterreich fünf offene Stellen pro Bewerber und erstmals seit langem wieder mehr offene Stellen gemeldet als offene Stellen. Angesichts dieser unterschiedlichen Herausforderungen brauche es eine regional abgestimmte Arbeitsmarktpolitik, betonte Kocher, der Österreich mit den Landesstellen des Arbeitsmarktservice (AMS) hier gut aufgestellt sieht. Zukünftig sollte stärker über regionale Arbeitsmärkte über Grenzen hinweg nachgedacht werden, beispielhaft seien Vorarlberg, die Schweiz und Liechtenstein genannt. Im Wettbewerb um Fachkräfte müssen auch die Arbeitsbedingungen attraktiver werden.
Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) hob die Energiewende als Zukunftschance für periphere Regionen hervor. Sie hat enormes Potenzial nicht nur in Bezug auf Lebensqualität und Unabhängigkeit (Stichwort: Ukrainekrieg), sondern auch für den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsmarkt in peripheren Regionen. Denn für die Erzeugung alternativer Energie, zum Beispiel aus Windrädern, wird viel Platz benötigt, und das nur am Rande. Dann würden auch lokale Investitionen getätigt und die Umsetzung von regionalen Unternehmen übernommen. Als Beispiel nannte er die „Wärmewende“, schließlich seien Erdwärme, Wasser und Holz lokale Güter. Wenn die Region um Hartberg zu 100 Prozent auf fossile Wärmeversorgung angewiesen wäre, wären das sechs Vollzeitarbeitsplätze in der Region, bei einer vollständig erneuerbaren Wärmeversorgung dagegen 61, rechnete Gewessler vor. Hier braucht es natürlich eine gute Zusammenarbeit, um die nötigen Spezialisten vor Ort zu haben. “Das macht einen großen Unterschied für die Regionen.” Als Entwicklungschancen für die Regionen nannte der Minister auch die Kreislaufwirtschaft und den nachhaltigen Tourismus.
(APA)