Die BZ nennt vier Szenarien für das Fischsterben in der Oder

Von Isabel Pfannkuchen

Es ist immer noch ein großes Rätsel: das Fischsterben in der Oder. Inzwischen kursieren mehrere Theorien. Wissenschaftler vermuten nun unter anderem giftige Algen im Wasser…

BZ erläutert vier Theorien zur Ursache des massiven Fischsterbens.

► Die Papiermühlen-Theorie: Viele Polen machen eine Papiermühle in Oława, fast 30 Kilometer unterhalb von Breslau, verantwortlich. Das Unternehmen antwortete auf die Vorwürfe: „Wir haben damit nichts zu tun.“ Immerhin wurden unterhalb von Oława bereits tote Fische gefunden.

Dieses Video soll zeigen, dass giftige Abwässer der Papierfabrik in die Oder geleitet wurden Foto: TikTok/ENIUUUUESSA

► Die Chemiefabrik-Theorie: Am 13. Juli beobachteten die Einwohner von Kedzierzyn-Kozle, 130 Kilometer unterhalb von Wroclaw, tote Fische im Gliwice-Kanal. Schuld daran geben sie einer nahegelegenen Chemiefabrik: Sie leitet aufbereitetes Industrieabwasser in die Oder. Aber: Es gibt keinen Beweis.

► Die Brunnenwasser-Theorie: Aufgrund des extrem hohen Salzgehalts im Wasser vermuten polnische Experten, dass sich das Brunnenwasser in der Oder befindet. Es entsteht im Unter- und Tagebau.

► Die Algentheorie: Im Fluss soll sich die Mikroalge Prymnesium parvum angesiedelt haben. 1990 tötete das Gift dieser Alge beispielsweise im Jasmunder Bodden auf Rügen mehr als 240 Tonnen Fische. Ob die Algen auch in der Oder Giftstoffe produzierten, ist noch nicht bekannt. „Giftige Algen können ein so großes Gewässer vergiften. Sie schwimmen mit den Fischen“, sagt Wasseranalytiker Wolf von Tümpling vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg.

Die mikroskopisch kleine Algenart Prymnesium parvum kann ein starkes Gift absondern Foto: Wikipedia

Das große Problem: Die Methoden zur Analyse dieser Algen sind auf Süßwasser ausgelegt. Der plötzlich sehr hohe Salzgehalt in der Oder stört die Analyse. Die Ergebnisse könnten in einer Woche vorliegen.

Allerdings würde eine so massive Algenblüte auch nicht den hohen Salzgehalt des Oderwassers erklären.

Derzeit untersucht das Landeslabor Berlin-Brandenburg die Wasserproben nicht auf Algen. „Dafür haben wir noch keinen Auftrag vom Landesumweltamt erhalten“, sagt Direktor Dr. Mike Neumann. Neben Schwermetallen und Nährstoffen werden Proben derzeit nach Pestiziden durchsucht.

Das Bundesumweltministerium hat die Zahl der in Deutschland gefundenen toten Oderfische auf etwa 36 Tonnen geschätzt.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *