Ab: 26.07.2022 18:57
Auch Österreich gerät in eine sommerliche Corona-Welle, doch die obligatorische Quarantäne für Infizierte soll entfallen. Als Gründe nennt die Regierung vor allem die psychischen und sozialen Folgen der Pandemie.
Österreich hebt inmitten der sommerlichen Corona-Welle die Quarantäne für Infizierte auf. „Wir machen jetzt Verkehrsbeschränkungen statt Quarantänepflicht“, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch. Die Grundflexibilität gilt ab dem 1. August.
Auch Infizierte sollen nun unterwegs sein, allerdings mit einer FFP2-Maske. „Wer krank ist, bleibt zu Hause“, appellierte der Grünen-Politiker gleichzeitig an die Bürger. Die Entscheidung wurde unter Berücksichtigung der psychischen und sozialen Folgen der Corona-Krise getroffen. Angst und Depression haben weltweit zugenommen.
Soziales Problem und soziale Unordnung
„Wir können die Pandemie nicht testen, impfen und isolieren“, sagte Rauch. Aber: „Wir sind einfach gut gerüstet für eine neue Phase im Kampf gegen die Pandemie.“ Zudem besteht eine Meldepflicht, um sich einen Überblick über den Krankheitsverlauf zu verschaffen.
Rauch sagte der “Tiroler Tageszeitung”, dass die Gaskrise, steigende Preise und der Krieg in der Ukraine die Bevölkerung im Herbst bedrohen. „Ich bin Ministerin für Soziales und Gesundheit, daher beschäftigen mich die soziale Frage und die Frage der sozialen Störungen mindestens so intensiv wie die Corona-Krise.“
Verweis auf andere Länder
Rauch hat auf internationale Vorbilder wie Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Spanien und die Schweiz verwiesen. Dort ist die Quarantäne seit Monaten ohne größere Folgen abgeschafft.
Deutlicher denn je stellte die Regierung auch die Aussagekraft der Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern in Frage. Eine detaillierte Analyse zeige, dass nur etwa die Hälfte der betroffenen Patienten Covid als Hauptdiagnose habe, sagte Katharina Reich, Expertin im Gesundheitsministerium.
Infizierte können Krankenhäuser nicht betreten
Zu den Verkehrsbeschränkungen gehört das Verbot infizierter Besucher, Krankenhäuser sowie Pflege-, Behinderten- und Spa-Einrichtungen zu betreten. Wie auch aus dem der Nachrichtenagentur APA vorliegenden Entwurf hervorgeht, können infizierte Mitarbeiter an diesen Orten ihre Arbeit weiterhin mit Maske verrichten. Das Tragen einer Maske im Freien und mit einem Mindestabstand von zwei Metern ist nicht erforderlich.
Zum Schutz besonders gefährdeter Personen wird die Risikogruppenverordnung bis Oktober wieder in Kraft gesetzt, wie Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sagte. Diese ermöglicht die Freistellung von Mitarbeitern, die trotz Impfung eine schwere Erkrankung befürchten oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.
Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Österreich mit etwa 900 Fällen pro 100.000 Einwohner und eine Woche über dem deutschen Wert. Im Vergleich zum Sommer des vergangenen Jahres müssen viel mehr Patienten in Krankenhäusern behandelt werden.
Keine Corona-Quarantäne mehr in Österreich
Dagmar Bohrer-Glas, ARD Wien, 26.7.2022 20:26