Die Coronavirus-STIKO will die Impfempfehlungen derzeit nicht ausweiten

Stand: 17.06.2022 05:33 Uhr

Trotz Sommerwelle will die STIKO derzeit keine generelle Empfehlung für eine zweite Verstärkung aussprechen. Das RKI meldete am Vormittag 28.118 Neuinfektionen. Der Präsident des Stadtrates fordert Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Eine generelle Empfehlung für eine zweite Kronen-Auffrischimpfung für alle Bevölkerungsgruppen will die Ständige Impfkommission vorerst nicht aussprechen. Eine neue Impfempfehlung sei derzeit nicht möglich und für niemanden möglich, „weil wir nicht wissen, welche neuen Impfstoffe es geben wird“, sagte STIKO-Präsident Thomas Mertens der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf.

„Wir wissen nichts über die Varianten, die im Spätsommer und Herbst auftreten können“, betonte Mertens. Daher fehle derzeit „die Grundlage für eine solide und begründete Empfehlung“.

Bisher hat Stiko die zweite Auffrischungsimpfung nur bestimmten Bevölkerungsgruppen empfohlen, etwa Personen über 70 Jahren, Personal von medizinischen und pflegerischen Einrichtungen sowie Personen mit Immunschwäche. „Mehr kann dazu derzeit nicht gesagt werden“, sagte Mertens. Eine erneute Aussage von Stiko zu einer möglichen zweiten Auffrischungsgrundimpfung „wird erst nach dem Sommer Sinn machen“.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte aufgrund der aktuell kursierenden Variante des Virus “dringend” empfohlen, in dieser Woche noch ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen wieder zu impfen. Lauterbachs Einschätzung steckt Deutschland bereits mitten in der neuen Kronenwelle.

Das RKI verzeichnet 28.118 neue Kroneninfektionen, die Inzidenz liegt bei 427,8

Das Robert-Koch-Institut gab die bundesweite Sieben-Tage-Morgen-Inzidenz mit 427,8 an. Am Vortag lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche bei 480,0 (Vorwoche: 318,7; Vormonat: 437,6). Die Inzidenz liefert jedoch kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit langem davon aus, dass es eine Vielzahl von Fällen geben wird, die nicht vom RKI registriert werden.

Auch deutsche Gesundheitsämter meldeten im RKI an einem Tag 28.118 Kronen-Neuinfektionen (Vorwoche: 77.878) und 19 Todesfälle (Vorwoche: 106). Auch hier sind Datenabgleiche aufgrund von Testverhalten, verspäteter Protokollierung oder Übertragungsproblemen nur eingeschränkt möglich.

Generell schwankt die Zahl der erfassten Neuinfektionen und Todesfälle von einem Werktag zum anderen stark, da immer mehr Bundesländer vor allem am Wochenende nicht an das RKI übermitteln und ihre Fälle später in der Woche melden. Seit Beginn der Pandemie hat das RKI 27.124.689 Infektionen mit Sars-CoV-2 gezählt. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Der Präsident des Stadtrates fordert Maßnahmen gegen die Sommerwelle

Der Deutsche Städtetag zeigte sich besorgt über die weltweit steigende Zahl von Kroneninfektionen und forderte schnelle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Wir brauchen schnelle Entscheidungen und ein neues Bundes-Infektionsschutzgesetz noch vor den Sommerferien“, sagte Verbandspräsident Markus Lewe den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es stellt sich heraus, dass die verfügbaren Instrumente nicht ausreichen. Städte sollen handlungsfähig sein, wenn sich die Krone weiter sprunghaft ausbreitet. “Die Corona-Pandemie sollte uns nicht immer wieder überraschen.”

Lauterbach will sich heute äußern

Gesundheitsminister Lauterbach will heute in Berlin mit dem Vizepräsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade, über die Lage sprechen. Die aktuellen Regelungen des Infektionsschutzgesetzes laufen am 23. September aus. Kostenlose Bürgertests sind zunächst bis einschließlich 29. Juni geregelt. Für den 30. Juni ist der Bericht eines Expertengremiums geplant, das die bisherigen Schutzmaßnahmen bewerten wird. Der Bundestag geht laut Sitzungsplan am 8. Juli in die Sommerferien und tritt erst in der Woche ab dem 5. September wieder zusammen.

Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster, fordert Bund und Länder auf, die kostenlosen Bürgerversuche auszuweiten und die kommunalen Impfstellen in Betrieb zu halten. Notfalls verteidigt er auch die Maskenpflicht beispielsweise im Innenbereich ausführlich. „Gleiches gilt für 3G- oder 2G-Standards, also Zugang für Geimpfte, Genesene und ggf. Getestete. Hier muss das Gesetz angepasst werden.“ .

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek fordert Klarheit bei den Tests. „Die Bundesregierung lässt das Land weiterhin im Unklaren über das weitere Vorgehen“, kritisierte der CSU-Politiker in der Augsburger Allgemeinen. „Eines ist klar: Je mehr Menschen die Möglichkeit haben, sich einfach und kostenlos testen zu lassen – und dieses Angebot auch nutzen – desto schneller und effizienter können Infektionen erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden.“

Das RKI wird daran erinnert, dass es den Empfehlungen Folge leisten muss

Inzwischen werden die Sublinien der omicron-Variante auch auf Deutschland ausgedehnt. Das RKI geht davon aus, dass sie bereits dominieren. „Das starke Wachstum insbesondere von BA.4 und BA.5, aber auch von BA.2.12.1, legt nahe, dass diese Varianten derzeit den Großteil der Evidenz ausmachen“, heißt es im neuen RKI-Wochenbericht.

Die Angaben im Report beziehen sich immer auf die Vorwoche: Auf BA.5 entfielen damals etwa 24 Prozent der positiven Proben einer Stichprobe, was wiederum einer Verdopplung des Wertes der Vorwoche entspricht. BA.4 und BA.2.12.1 waren etwa vier Prozent. Auch das RKI weist auf einen leichten Anstieg der Covid-19-Fälle auf Intensivstationen hin und rät, mehr Empfehlungen zur Infektionsprävention zu befolgen.

Warnung vor Mangel an neuem Personal

Laut Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), sind die Zahlen niedriger als Ende August 2021. „Aber die Zahl ist nicht so niedrig wie in den letzten beiden Sommern“, sagte er Marx von der Deutschen Nachrichtenagentur.

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