Die Dänen wollen bei der Verteidigung enger mit der EU zusammenarbeiten

Auch die Dänen haben am Mittwoch Geschichte geschrieben. In einem Referendum hat sich eine deutliche Mehrheit für eine künftige Teilnahme an der gemeinsamen EU-Verteidigungs- und Sicherheitskooperation ausgesprochen. Nach Auszählung fast aller abgegebenen Stimmen lag das Ja-Feld am Mittwochabend bei knapp 67 Prozent, die Gegenseite bei rund 33 Prozent.

Matthias Wysuwa

Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien in Hamburg.

Die Dänen haben, wie die Schweden und die Finnen vor ihnen, einen schnellen Wendepunkt in ihrer Sicherheitspolitik vollzogen, und dies geschah wie ihre nördlichen Nachbarn als Folge der russischen Invasion in der Ukraine. Während Schweden und Finnland nach Jahrzehnten militärischer Blockfreiheit gerade erst die NATO-Mitgliedschaft beantragt haben, ist Dänemark Gründungsmitglied der NATO und seit 1973 Mitglied der Europäischen Union. Doch bislang war das Königreich das einzige Land, das nicht dabei war die Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit der Union dank eines Vorbehalts.

Es war das Ergebnis eines spektakulär gescheiterten Referendums vor 30 Jahren, denn dieses Ergebnis in Dänemark ist nicht nur historisch, weil das Königreich seinen Vorbehalt aufgegeben hat. Es ist andererseits auch eine seltene Zustimmung von Dänen, die einer engeren Zusammenarbeit in der EU skeptisch gegenüberstehen, nachdem etwas Ähnliches zuvor in anderen Referenden abgelehnt wurde. Die Angst, die politische Selbstbestimmung zu verlieren, hat im Land leicht Stimmung gemacht, und die Dänen haben schon immer einen sehr hartnäckigen Kurs verfolgt, besonders in der Asylpolitik. In einem Referendum im Jahr 2000 lehnten die Dänen den Euro ab und protestierten erst 2015 gegen die Aufgabe nationaler Ausnahmen im Bereich Justiz und innere Sicherheit.

Es ist nicht das erste Referendum

Besonders dramatisch war das Referendum von 1992. Damals lehnten die Dänen den Vertrag von Maastricht ab, der den Grundstein für die EU legte. Da jedoch alle Mitglieder den Vertrag ratifizieren mussten, wurden die Verhandlungen mit den Dänen neu verhandelt. Die Folge waren die sogenannten Opt-outs, die Vorbehalte der Dänen in bestimmten politischen Bereichen der Union. Darunter bisher: Zusammenarbeit in Sicherheit und Verteidigung.

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Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen machte kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine deutlich, dass sich dies jetzt ändern müsse. Putins brutaler Angriff auf die Ukraine habe eine “neue Ära in Europa, eine neue Realität” eingeläutet, sagte er. Das Referendum war Teil eines Pakets, das er mit fast allen Parteien im Parlament ausgearbeitet hatte, einschließlich einer deutlichen Erhöhung der Verteidigungsausgaben im Haushalt. In zehn Jahren muss das Ausgabenziel der NATO von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht werden. Historische Zeiten erfordern historische Entscheidungen, sagte der Sozialdemokrat Frederiksen.


Der Krieg in der Ukraine hat die Karten erschüttert

Bislang stützt sich die dänische Sicherheitspolitik vor allem auf die Nato und damit auch auf Amerika. Allerdings sind Dänen weniger an EU-Militärmissionen beteiligt als vielmehr an der gemeinsamen Entwicklung von Sicherheitsarchitekturen oder Waffensystemen. Das soll sich jetzt ändern. Mit der Drohung Russlands, aber auch mit dem in Deutschland angekündigten Kurswechsel mit den geplanten Verteidigungsinvestitionen von 100 Milliarden Euro gewinnt die gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik an Bedeutung.

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Fast alle Parteien in Kopenhagen haben sich für ein Referendum eingesetzt. Es gab nur wenige Ausnahmen wie die rechtspopulistische Dänische Volkspartei: Sie befürchten, dass eine engere Zusammenarbeit mit der EU in der Verteidigungspolitik auf Kosten der Nato erfolgen könnte. Und sie warnten davor, dass Brüssel nun dänische Soldaten in Auslandseinsätze schicken könnte. Die Dänen waren jedoch nicht beeindruckt.


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