Judith Stamm im Jahr 2006. (Archiv)
Bild: Schlussstein
Die ehemalige Luzerner CVP-Nationalrätin Judith Stamm ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Bis Ende der neunziger Jahre kämpfte sie hart für die Emanzipation der Frau.
In den letzten Jahren ist es jedoch still geworden um die umstrittene Frauenrechtlerin. An seinem 80. Geburtstag sagte er, er vermisse die politische Arbeit nicht. „Irgendwann ist Schluss. Du weißt, was du erreichen kannst und was nicht.”
Sie sei mit ihrem Leben rundum zufrieden, sagte sie damals. Auch wenn es ihr „Reserveleben“ war: Frauen ihrer Generation waren noch immer generell für Ehe und Mutterschaft bestimmt. “Aber ich bin als alleinstehende berufstätige Frau alt geworden.”
Symbol für die Gleichstellungsbewegung
Judith Stamm gilt als Ikone der Schweizer Gleichstellungsbewegung. Die bürgerliche Linke bewies immer wieder Mut zu eigenwilligen Positionen. Er setzte sich für eine Befristungslösung der strafrechtlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs ein und trat für eine Absenkung des Schutzalters ein.
Damit verfremdete Stamm die bäuerlichen und konservativen Kreise der CVP. Aber in der Stadt und der Agglomeration erzielte er bei den Wahlen die besten Ergebnisse.
Die neu gewählte Nationalratspräsidentin Judith Stamm (CVP/LU) freut sich am 25. November 1996 im Nationalrat über ihre Wahl zur obersten Nationalratspräsidentin.
Bild: Keystone/Lukas Lehmann
Nach der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts 1971 war Stamm eine der ersten Luzerner Kantonsrätinnen. 1983 wurde sie nach Josi Meier als zweite Luzernerin in den Nationalrat gewählt, dem sie bis 1999 angehörte und den sie 1996/97 auch präsidierte.
In seiner politischen Arbeit konzentrierte sich Stamm auf soziale und ökologische Fragen sowie auf die Gesetzgebung. Mit einem Antrag von 1986 erreichte er die Gründung des Bundesamtes für Gleichstellungsfragen.
Erste Polizistin
Unter den Ersten war Stamm nicht nur bei der Wahl. Die in Schaffhausen geborene, in Zürich aufgewachsene, promovierte Juristin trat 1960 als Polizeiassistentin in die Luzerner Polizei ein. Sie stieg in den Rang einer „Frau Oberleutnant“ auf und war damit die erste Polizistin der Schweiz.
Als Kriminalbeamter engagierte er sich schon früh für die Reform der Vernehmungspraxis von Opfern von Sexual- und Gewaltverbrechen. Nach 20 Jahren bei der Kantonspolizei wurde er Jugendstaatsanwalt.
Das Hauptanliegen von Judith Stamm waren schon immer die Frauen. Er hat auch eine spektakuläre Leistung gezeigt. „Nehmen Sie Platz, meine Dame“: Dieser Aufruf, mit dem die Eidgenössische Frauenkommission, der sie von 1989 bis 1996 vorstand, im Wahljahr 1991 die Männer aufforderte, Platz zu nehmen, war nach Stamms Geschmack: treffend, gebildet und provokativ. .
1986 trat Stamm als Bundesrätin allein gegen Partei und Fraktion, gegen Flavio Cotti und Arnold Koller an. Sie hat die Wahl klar verloren, aber sie hat den Wunsch der Frauen, in der Landesregierung vertreten zu sein, eindrucksvoll geprägt.
Explosives Angriffsziel
Von 1998 bis 2007 war Judith Stamm Präsidentin der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) und der Rütlikommission, die die eidgenössischen Feierlichkeiten auf der Rütliwiese organisiert. Seit der Gründung der SGG im Jahr 1810 war Stamm die erste Frau in diesem Amt und die erste Person, die nicht aus dem Kanton Zürich stammte.
Aufgrund von Störmaßnahmen musste die SGG in jenen Jahren den Zutritt zum Rütli einschränken. Als sie im Herbst 2007 als Präsidentin der SGG zurücktrat, geriet Stamm zusammen mit zwei weiteren Innerschweizer Politikern und Mitgliedern der SGG ins Visier von Briefkastenanschlägen. Niemand wurde verletzt.
Für sein Engagement wurde Stamm auch mehrfach ausgezeichnet. 2002 erhielt er die Ehrenplakette der Stadt Luzern. 2011 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel. Ihre Biografie erschien 2008 unter dem Titel „Beherzt und Fearless. Wie Judith Stamm Frauen den Weg ebnete“.
SD