Kultur
Im Winter 2022/2023 wollen die Erler Tiroler Festspiele ein Beispiel für russische Kultur und Kunst sein. Die Werke von Sergei Rachmaninow stehen auf dem Programm und auch Musiker, die die Opposition in Russland verkörpern, müssten nach Tirol geholt werden, so der Festspielpräsident.
03.06.2022 05.51
Ab heute, 5.51 Uhr online
Den Rahmen der Festspiele bilden, wie in Erl üblich, zwei große Opern. In der Wintersaison, die vom 26. Dezember bis 8. Januar läuft, kommen von Gaetano Donizetti und Saverio Mercadante die „Don Pasquale“ und „Francesca da Rimini“ auf die Bühne des Festspielhauses. Sie sollen auch die künstlerischen Pole repräsentieren: „Don Pasquale“ sei eine sehr beliebte Oper, „Francesca da Rimini“ hingegen eine Rarität und eine österreichische Erstaufführung, teilte Festspielleiter Bernd Loebe am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit.
APA/EXPA/Johann Groder Festspielleiter Bernd Loebe will den Krieg in der Ukraine nicht verheimlichen
Mit solchen Opern sei es jedenfalls möglich, was auch eine wichtige Aufgabe der Festspiele sei, „das Publikum in andere Welten zu bringen“, betonte Loebe. Von einem “glücklichen Leben” könne man angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine aber nicht sprechen, so der Regisseur weiter. Die Frage, wie sich ein Festival angesichts des Krieges positioniert, ist allgegenwärtig. Offensichtlich ist die Entscheidung auf eine hybride Art gefallen, der Welt zu entfliehen und sich der Welt zuzuwenden. Die Welt bzw. die Frage nach der Positionierung des Festivals ist allein durch die Zusammensetzung des Orchesters in Erl „präsent“. „In unserem Festspielorchester sind zum Beispiel auch weißrussische Staatsbürger“, sagte Loebe.
APA / EXPA / JOHANN GRODER Für Festspielpräsident Haselsteiner ist es wichtig, dass alle Musiker, die in Erl auftreten, den Krieg in der Ukraine verurteilen
Ablehnung der Kriegsbedingung für Kompromiss
Wichtig sei aber, dass alle Musiker, die sich Erl verschrieben haben und noch widmen werden, „den Krieg verurteilen und sich klar und unmissverständlich dazu bekennen“, ergänzte Festspielpräsident Hans-Peter Haselsteiner. Der Festivalpräsident zeigte sich zuversichtlich, dass dies und seine künstlerische Leistung in dieser “Oppositionsrolle” “dem Putin-Regime so viel Schaden wie möglich zufügen” könnten.
Über diese Themen hinaus, russische Musik und große Opern als musikalische Zentren der Winterfestspiele, gibt es in dieser Saison auch Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, ein Silvesterkonzert mit Musik von Carl Millöcker, ein Silvesterkonzert und ein aktuelles Gastspiel von Stammgäste beim Erler Musicbanda Franui Festival.