Stand: 28.07.2022 14:42 Uhr
Die Inflation ließ im Juli den zweiten Monat in Folge nach, wenn auch nur leicht: Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Vormonat waren es 7,6 Prozent.
Die Inflation in Deutschland hat sich den zweiten Monat in Folge leicht abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,5 Prozent. Im Juni lag die jährliche Inflationsrate bei 7,6 % im Jahresvergleich, im Mai bei 7,9 %.
Vor allem Energiepreissprünge infolge des Krieges in der Ukraine und steigende Lebensmittelpreise heizen die Inflation in Europas größter Volkswirtschaft an. Im Juli stiegen die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 35,7 Prozent. Lebensmittel kosteten 14,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach vorläufigen Daten stiegen die Verbraucherpreise im Juli im Monatsvergleich um 0,9 Prozent.
Weitere Entlastungsmaßnahmen werden diskutiert
Die Bundesregierung versucht unter anderem mit dem Anfang Juni eingeführten Tankrabatt und dem 9-Euro-Schein die Menschen zu entlasten. Außerdem müssen Stromkunden ab dem 1. Juli die Ökostromförderung nicht mehr über ihre Stromrechnung bezahlen. Weitere Entlastungsmaßnahmen werden derzeit diskutiert.
Die vorläufigen Ergebnisse zeigen laut Statistikamt noch nicht, inwieweit sich Sondereffekte wie das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt ausgewirkt haben. Diese Auswirkungen werden bei der Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse behandelt.
Nachhaltiger Niedergang oder nicht?
Laut der Nachrichtenagentur Reuters hatten Volkswirte für Juli 7,4 Prozent prognostiziert. Laut dem Münchner ifo-Institut dürfte die Inflation ihren Höhepunkt überschritten haben und im Laufe des zweiten Halbjahres allmählich zurückgehen.
Andere Ökonomen gehen jedoch nicht von einem nachhaltigen Rückgang der Inflation aus: Sie verweisen auf die ungewisse Entwicklung der Energiepreise, aber auch darauf, dass das 9-Euro-Ticket und der Spritrabatt bis Ende August befristet sind. “Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten hoch bleiben. Im September könnte sie sogar wieder steigen, da die vorübergehenden Entlastungsmaßnahmen wegfallen”, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem kürzlich veröffentlichten Monatsbericht.
Inflationsraten in dieser Höhe hat es im wiedervereinigten Deutschland noch nie gegeben. In den alten Bundesländern gab es im Winter 1973/1974 ähnlich hohe Werte. Damals stieg der Ölpreis infolge der ersten Ölkrise stark an.
Inflation bekämpfen: Sollte die EZB der Fed folgen?
Bianca von der Au, HR, 28.7.2022 14:44