Die EU erzielt ein „historisches Abkommen“ zur Verteilung von Flüchtlingen

von. – 10.06.2022 13:19 (akt. 10.06.2022 14:40)

EU-Ratspräsident Gerald Darmanin spricht über “historische Einigung” zur EU-Flüchtlingsverteilung © Photo by Ludovic MARIN / AFP

Nach Jahren des Kampfes scheinen die EU-Staaten große Fortschritte in der Migrationspolitik gemacht zu haben. Im Vorfeld des Treffens forderte der österreichische Innenminister Gerhard Karner die Möglichkeit von Kontrollen an den Binnengrenzen im Bedarfsfall.

Der französische Innenminister und derzeitige EU-Ratspräsident Gerald Darmanin sprach am Freitag auf Twitter von einem “historischen Deal”.

Freiwilliges EU-Flüchtlingsverteilungsabkommen

Die EU-Staaten haben sich unter anderem auf ein System der freiwilligen Umverteilung von Flüchtlingen geeinigt. Zu den „signifikanten Fortschritten“ gehöre auch ein stärkerer Schutz der Außengrenzen.

Eine „große Mehrheit“ der Staaten habe den beiden Rechtsakten zugestimmt, so Darmanin. „In den kommenden Tagen werden die französische Ratspräsidentschaft und die Kommission ein Treffen der ‚Solidaritätsplattform‘ organisieren, um dieser historischen Einigung eine konkrete Form zu geben.“

Österreichs Innenminister Karner bleibt skeptisch gegenüber EU-Treffen

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hatte sich vor der Sitzung skeptisch über die Umverteilung geäußert. Er sieht es als “Ablehnung”. Er war dagegen, “den Schmugglern das falsche Signal zu senden, Europa ist offen, Europa ist selbstzufrieden”. Andererseits bekräftigte er seine Forderung nach einem “soliden und funktionsfähigen Schutz der Außengrenzen”.

Laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Berlin werde sich an einem Solidaritätsmechanismus beteiligen, um die Mittelmeerländer im Umgang mit Asylsuchenden zu unterstützen. Berlin und Paris würden gemeinsam vorankommen, sagte er auf die Frage, wie viele Flüchtlinge Deutschland aufnehmen werde. Er schätzte, dass zehn bis zwölf Länder teilnehmen könnten. Es war unklar, ob sie Flüchtlinge aufnehmen oder anderweitig Hilfe leisten würden.

Karner fordert notfalls Kontrollen an den Binnengrenzen

Bei dem Treffen begrüßte Karner einen neuen Vorschlag der französischen EU-Ratspräsidentschaft zum Schengener Grenzkodex. Karner betonte am Freitag vor einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg, dass es auch künftig möglich sein solle, bei Bedarf Kontrollen an den Binnengrenzen durchzuführen. Reisefreiheit ist wichtig, aber Sie müssen auch auf die Sicherheit achten. Wie diese Kontrollen an den Binnengrenzen aussehen sollen, ist laut Karner das Thema des heutigen Treffens.

Im Schengen-Raum, der 26 europäische Staaten umfasst, gibt es eigentlich keine stationären Personenkontrollen an den Landesgrenzen. In den letzten Jahren haben jedoch mehrere Staaten eine Ausnahmeregelung genutzt und Kontrollen wieder eingeführt. Im Falle Österreichs sorgt dies vor allem im Nachbarland Südslowenien für Unmut, das keine sachliche Rechtfertigung für die Kontrollen sieht.

Der EuGH hat kürzlich festgestellt, dass Österreich die für Kontrollen seit 2017 erforderliche ernsthafte Gefährdung der öffentlichen Ordnung nicht darlegen kann. Die endgültige Entscheidung liegt beim zuständigen österreichischen Gericht. Er legte Berufung beim Obersten Gerichtshof von Luxemburg ein, nachdem ein Unionsbürger eine an der Grenze zu Slowenien erlassene Verwaltungssanktion angefochten hatte.

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