Einst zerstörten die Saudis die Sowjetunion mit einem Rückgang des Ölpreises. Heute will die EU Russland mit einem Ölembargo treffen, das den Preis in die Höhe treibt. Wie soll das gelingen, wenn Russland ganz anders rechnet?
Viele Sanktionsstrategen werden sich dieser Tage die 1980er Jahre gewünscht haben. Auch damals war die Welt nicht einfach. Aber die Saudis erfüllten die Wünsche der Vereinigten Staaten und untergruben ein ganzes Imperium. Das ging so: Obwohl die Ölpreise niedrig waren, begannen sie ab 1985, die Produktion zu vervielfachen. Der Preis sank um mehr als zwei Drittel. Die Folge: Die vom Ölexport abhängige sowjetische Wirtschaft brach zusammen. Und der Westen hatte einen niedrigen Ölpreis.
Dieses System funktioniert so nicht mehr. Saudi-Arabien spielt nicht. Da der Westen aber nach wie vor Russland mit seiner Haupteinnahmequelle im Krieg treffen will, hat die EU nun auch auf ein Embargo gegen russisches Öl gedrängt. Die Folge: Der seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent gestiegene Ölpreis stieg weiter auf 124 Dollar je Barrel. Und während dies die Inflation weiter verschärft, droht Europa Kraftstoffknappheit, wie Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), dem Spiegel in Russland sagte, und mit dem Ölpreis dürften derzeit alle zufrieden sein.
Also steht Russland paradoxerweise besser da als die EU, wie sie in Moskau – unter anderem von Kremlchef Wladimir Putin – bereits mit den bisherigen Sanktionen und auch angesichts des aktuellen Sanktionspakets verbreitet wurde?