„Bei 32 Grad am Morgen können wir nicht mehr von Normalität sprechen“, sagte Meteorologe Marcus Wadsak. Etwa 25 Grad wären für Juni üblich.
Österreich steht derzeit nur am Rande extremer Hitze. Deutschland ist derzeit davon viel stärker betroffen. In Spanien und Frankreich wurden sogar Temperaturen von über 40 Grad gemessen. Allerdings verzeichneten Meteorologen am Sonntag in Feldkirch (Vorarlberg) eine Hitze von 36,5 Grad. Und das noch vor dem Sommerwetter am Dienstag. Auch in Wien war es mit über 30 Grad im Schatten kühler und für diese Jahreszeit zu heiß.
Wird das so weitergehen? „Wir wissen es nicht“, sagt Marcus Wadsak, „der Sommer lässt sich nicht vorhersagen. Aber was wir sicher sagen können, ist, dass die Zahl der heißen Tage zunimmt“, sagt Wadsak. 40 heiße Tage im Jahr sind keine Überraschung mehr und auch die Zahl der Tropennächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt, wird im Zeitalter des menschengemachten Klimawandels zunehmen, so die Wetterprognose des Experten.
32 Grad wurden am Wochenende in Wien gemessen. Ist das noch normal? “Nein”, sagt Meteorologe Marcus Wadsak. “Wir haben schon lange nicht mehr über Normalität bei 32 Grad gesprochen.”
Der ORF-Wetterexperte empfiehlt Siesta
„Die Zahl der heißen Tage nimmt zu, wir müssen unseren Alltag umstrukturieren und von den Ländern des Südens lernen“, sagt Wadsak. Die Tageshöchsttemperaturen werden in der Regel gegen 17 Uhr erreicht. In südlichen Ländern schließen die Geschäfte nachmittags und öffnen erst abends wieder. Diese Modelle könnten auch für Österreich interessant sein.
Die Karte zeigt Stadtteile, in denen die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner durch die Hitze besonders beeinträchtigt wird.https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/energie/pdf/Wärmekarte.pdf
Wien ist auf einem guten Weg, sich an heiße Sommer anzupassen
Heiße Tage mit über 30 Grad und Tropennächte mit über 20 Grad sind eine enorme Belastung für die Menschen. Schlafmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Reizbarkeit sind mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Die bisher höchste Hitzesterblichkeitsrate wurde 2015 gemessen: In Österreich forderte die Hitze damals mehr als 1.000 Todesopfer. Wenn die Zahl der Hitzetage noch weiter zunimmt, ist auch mit einem Anstieg der Todesfälle zu rechnen.
Die hitzebedingte Sterblichkeit ist in Städten stets höher als auf dem Land. Straßen, viel Beton, wenig Vegetation, wenig Gewässer: Diese typischen urbanen Strukturen sind prädestiniert für Überhitzung. „Beton kühlt nicht“, sagt Wadsak. Daher ist es sinnvoll, Städte künftig mit mehr Bäumen, Gewässern, Wiesen und Schattenspendern auszustatten.
Wadsak sieht Wien hier auf dem richtigen Weg: „Wien ist auf Kurs, sich anzupassen.“ Wasserduschen im urbanen Raum sind ein guter Anfang. Künftig sollen in den Neubauten auch Sozialkühlräume installiert werden, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich vor Hitze zu schützen und abzukühlen. Das sind Unterkünfte für sozial benachteiligte Menschen, die sich kältetechnische Infrastruktur wie Ventilatoren oder Klimaanlagen nicht leisten können. Maßnahmen, um den urbanen Raum angesichts der Erderwärmung lebenswert zu machen, sind im Wiener Klimafahrplan festgehalten.
Tipps zum Überleben in der überhitzten Stadt
Was können Sie persönlich tun? Zunächst empfiehlt Marcus Wadsak „den höchsten Sonnenschutzfaktor, den man bekommen kann“. Am Dienstag, dem Tag, an dem der Sommer offiziell beginnt, hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht und unsere Haut ist noch nicht bereit dafür: Das ist die intensivste Strahlung des Jahres, warnt der Meteorologe: „In zehn Minuten ruft uns die brennende Sonne .ungeschützte Haut!“
Außerdem sollte man viel trinken, nicht nur extra Feierabendbier, sondern bis zu vier Liter Wasser über den Tag verteilt. Und wie kühlt sich der Wetterexperte privat so richtig ab? „Ich habe das Glück, am Neusiedler See zu wohnen. Die Abkühlung ist immer in Reichweite“, freut sich Marcus Wadsak.
Seit 254 Jahren werden Temperaturen aufgezeichnet. Von den zehn wärmsten Junimonaten seither wurden acht nur in den 2000er Jahren gezählt, die anderen beiden wärmsten Junimonate wurden in den Jahren 1811 und 1822 verzeichnet.
Gegen Ende der Woche rechnet Marcus Wadsak mit einer Normalisierung der Temperaturen.
Nav-Red Account Zeit20.06.2022, 06:00 | Akt: 20.06.2022, 06:12