Die Humboldt-Universität will die umstrittene Absage der Gender-Konferenz nachholen

Absage wegen Sicherheitsbedenken: Humboldt-Universität will umstrittene Gender-Konferenz nachholen

dpa / C. Gateau

AUDIO: Inforadio | 04.07.2022 | Nico Hecht | Bild: dpa / C. Gateau

Große Aufregung herrschte am Wochenende über die kurzfristige Absage einer Konferenz zu Sex und Gender an der HU in Berlin. Jetzt hat die Universität einen neuen Termin für die Veranstaltung festgelegt, aber auf andere Weise.

Die Humboldt-Universität will eine abgesagte umstrittene Konferenz nachholen. Hochschulsprecher Boris Nitzsche sagte dem rbb am Montag, die Konferenz solle nun am 14. Juli stattfinden. Ursprünglich war es im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften“ geplant.

Die HU-Biologin und Doktorandin Marie Vollbrecht wollte den Vortrag mit dem Titel „Geschlecht ist nicht (Geschlecht) Geschlecht, Geschlecht, Geschlecht und warum es zwei Geschlechter in der Biologie gibt“ halten. Zuvor hatte der „Arbeitskreis kritischer Juristen an der Humboldt-Universität zu Berlin“ zu Protesten aufgerufen. In einer Stellungnahme hieß es, die Biologin Marie-Luise Vollbrecht wolle auf der Konferenz Anti-Queer- und Anti-Gender-Thesen verbreiten.

Der Autor warf ARD und ZDF vor, eine “bedrohliche Agenda” zu verfolgen.

Auch Gegenprotest wurde eingelegt. Die Universität sagte daraufhin die Konferenz am Samstag kurz vorher unter Berufung auf Sicherheitsbedenken ab. Vollbrecht sagte dem rbb, es sei eine grundlegende wissenschaftliche Erkenntnis, dass es nur zwei biologische Geschlechter gebe. Biologische Fakten müssen unabhängig von Geschlechterfragen betrachtet werden.

Die Sprecherin der „Kritischen Juristen“ sagte dem rbb, der Biologe Vollbrecht wolle auf dieser Tagung eine in der Wissenschaft überholte These vertreten und sich auch ernsthaft mit Anfeindungen gegen Transgender auseinandersetzen. „Das Thema wird jedoch überhaupt nicht untersucht und stellt eine Meinung als Tatsache dar, die dem breiten wissenschaftlichen Konsens widerspricht. Folglich haben auch kritische Juristen am Samstag die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte verteidigt“, so der Sprecher.

Vollbrecht selbst sagte in der Sendung von rbb24 am Sonntagabend, es gehe bei der Konferenz nicht um Politik, sondern nur um Biologie. Der Biologe war kürzlich Co-Autor eines umstrittenen Kommentars zur „Welt“ [Bezahlinhalt] notiert. Darin wurde dem öffentlich-rechtlichen Sender unter anderem ein Erklärvideo der „Show mit der Maus“ zum Thema Transgender vorgeworfen. [wdrmaus.de] der kindischen Indoktrination und ideologischen Herangehensweise beschuldigt. Ein Beitrag, den Springer-Chef Matthias Döpfner als „wissenschaftlich intolerant, herablassend und nachtragend, allenfalls grob einseitig“ bezeichnete.

Kritik an der Absage

Die Humboldt-Universität erklärte, die Konferenz werde in eine Debattenrunde versetzt. Man muss sich fragen, wie man mit solch aufgeladenen Situationen und polarisierenden Fragen umgehen kann. Einerseits muss die Meinungsfreiheit von Wissenschaftlern garantiert werden, andererseits ist aber auch legitimer Protest wichtig.

Der Präsident des Hochschulverbandes Deutschland, Bernhard Kempen, hatte die Absage bereits scharf kritisiert. Die Universität habe der Wissenschaftsfreiheit einen Bärendienst erwiesen, sagte Kempen am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Stattdessen hätte er sein Rückgrat zeigen und alles tun sollen, damit die Konferenz stattfinden kann“, sagte Kempen. Universitäten seien Orte der intellektuellen Auseinandersetzung, so Kempen. „Jeder Wissenschaftler sollte in der Lage sein, seine Forschungsergebnisse, Thesen und Meinungen angstfrei zu diskutieren.“

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 4. Juli 2022, 14:25 Uhr

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