Aktualisiert am 20.06.2022 um 16:25 Uhr
- Die IG Metall will bei Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie auf Geld setzen.
- Die Gewerkschaft fordert eine deutliche Erhöhung der Mitarbeitergehälter.
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Angesichts der Rekordinflation will die IG Metall zwischen 7 und 8 Prozent mehr Geld für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metall- und Elektroindustrie fordern. Das Kuratorium beschloss am Montag, eine entsprechende Empfehlung auszusprechen, wie IG-Metall-Chef Jörg Hofmann in Frankfurt sagte. Es geht auch darum, die Kaufkraft der Bürger für den privaten Konsum zu erhalten. Wenn der private Konsum einbricht, könnte eine Rezession drohen.
Die Empfehlung ist noch nicht die letzte Anforderung. Darüber wird in den regionalen Gehaltskommissionen am 30. Juni beraten. Dies sei eine konkrete Zahl im Bereich von 7 bis 8 Prozent, sagte Hofmann. Am 11. Juli will der Vorstand der IG Metall bundesweit über die letzte Forderung entscheiden. Die Gewerkschaft strebt eine Amtszeit von zwölf Monaten an.
Zur Begründung der Empfehlung zieht die IG Metall unter anderem die wirtschaftliche Lage der Branche heran. So kam es laut einer Umfrage der Betriebsräte des vergangenen Jahres branchenweit zu deutlichen Steigerungen bei Umsatz und durchschnittlicher Produktivität. Allerdings stelle sich die Situation laut IG Metall je nach Branche sehr unterschiedlich dar. So ging die Produktion in der Automobilindustrie im Vergleich zum Vorjahr deutlich um sechs Prozent zurück, während sie im Maschinenbau zulegte.
Die Verträge der Beschäftigten in den zentralen Branchen der deutschen Industrie, zu denen der Fahrzeug- und der Maschinenbau gehören, laufen Ende September aus. Hofmann hofft, dass die Verhandlungen im November abgeschlossen werden können, wenn alles gut geht. Alarmstreiks sind nach dem Ende der Friedensverpflichtungen ab dem 29. Oktober möglich
Hofmann: Tarifverhandlungen allein können die steigende Inflation nicht ausgleichen
Tarifverhandlungen allein können Hofmann zufolge jedoch die steigende Inflation nicht ausgleichen. Deshalb fordert der erste Präsident der größten deutschen Gewerkschaft mehr staatliche Entlastungen. Es enthält ein drittes Hilfspaket für 2023. Außerdem fordert es eine Gaspreisobergrenze zur Sicherstellung des normalen Haushaltsverbrauchs und eine Senkung der Strompreise. Hofmann plädiert auch für eine Gewinnsteuer, die zuletzt vor allem mit Blick auf die hohen Gewinne der Mineralölkonzerne diskutiert wurde.
Stark gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise ließen Deutschlands Inflationsrate im Mai auf 7,9 Prozent steigen, den höchsten Stand seit fast 50 Jahren. Für das Gesamtjahr prognostiziert die Bundesbank nach dem sogenannten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) eine Inflation von 7,1 Prozent. Die Europäische Zentralbank nutzt sie für ihre Geldpolitik. Im Mai lag der IACPC in Deutschland um 8,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Laut einer aktuellen Umfrage des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall sorgen die hohen Energie- und Materialkosten sowie die konjunkturellen Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine in der Metall- und Elektroindustrie für große Verunsicherung. Jedes fünfte der mehr als 1.400 teilnehmenden Unternehmen sieht sich aufgrund des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds in seiner Existenz bedroht. (dpa)