– Diesel ist teurer denn je
Die Inflation stieg im Juni erneut an. Nach dem Benzinpreis hat auch Diesel einen neuen Rekordpreis erreicht.
Gepostet heute um 13:17
Wer mit Diesel fährt, zahlt derzeit Rekordpreise.
Foto: Anthony Anex (Keystone)
Seit Kriegsausbruch sind die Benzin- und Dieselpreise stark gestiegen. Im Juni erreichte der Dieselpreis einen neuen Höchststand. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag der Durchschnittspreis bei 2,34 pro Liter. Das heisst, 40 Liter Diesel kosteten letztes Jahr im Schnitt rund 70 Franken, jetzt müssen Sie fast 94 Franken bezahlen.
Der Dieselpreis treibt die Inflation. Sie steigt schneller als seit 1993. Im Juni stieg sie auf 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Anstieg liegt derzeit am oberen Ende dessen, was Experten erwartet haben.
Im Zusammenhang mit der steigenden Inflation erhöhte die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Juni ihre Leitzinsen. Damals ging die Führung der SNB davon aus, dass die Inflation im dritten Quartal 2022 mit durchschnittlich 3,2 Prozent ihr Maximum erreichen würde. Danach sollte es wieder leicht schwächeln, so die Hypothese.
Grüße aus der Finanzkrise
Steigende Rohstoffpreise haben eine wichtige Rolle bei der Inflation gespielt. Und der neue Dieselrekord zeigt, dass eine Normalisierung auf einen regulären Vorkriegspreis kurzfristig nicht realistisch erscheint. So hoch war der Dieselpreis zuletzt im Jahr 2008. Auslöser war damals die Weltwirtschaftskrise. Damals lag der Preis bei über 2 Franken pro Liter für 6 Monate, maximal bei 2.28 Franken. Der Dieselpreis überschritt im März erneut die 2-Franken-Schwelle. Und er kennt seither nur eine Richtung: nach oben.
Ähnlich verhält es sich mit dem Benzinpreis, der ebenfalls einer der Inflationsmotoren ist. Dort wurde im März der neue Rekord aufgestellt. Seitdem sind die Preise sogar wieder auf 2,25 Franken pro Liter gestiegen. Allein von Mai bis Juni stiegen die Preise um fast 20 Cent von 2,06 auf 2,25.
Für eine 40-Liter-Tankfüllung kostet dieser Sprung nur knapp 8 Franken mehr. Vergleicht man die Preise mit 2021, wirkt es noch gravierender. Damals lag der durchschnittliche Benzinpreis bei 1,67 Franken. Statt 67 Franken kostet die gleiche Menge Benzin 90 Franken.
Erhöhte Margen in Raffinerien
Grund für die hohen Preise sind zum einen die hohen Kosten des Rohstoffs Rohöl. Diese erreichte gerade zu Beginn des Krieges einen Höhepunkt und ist seither von Höhen und Tiefen geprägt. Entscheidend für die Pumppreise ist aber nicht nur der Rohölpreis, sondern auch die Raffinationskosten. Also der Prozess der Herstellung von Benzin und Diesel aus Rohöl. Die Margen dort sind förmlich explodiert. Die Zahlen zeigen: Vor dem Krieg war es üblich, Rohöl gegen einen Aufpreis von 10 bis 20 Dollar pro Barrel zu raffinieren. Es liegt jetzt bei 40 bis 50 US-Dollar.
„Raffinerien machen gerade große Gewinne“, sagte Ramon Werner von der Oelpool AG Ende Mai der Zeitung. Seine Firma betreibt unter anderem die Ruedi-Rüssel-Tankstellen.
Das Problem steigender Margen: Die Produktionskapazitäten der Raffinerien sind offenbar knapp. Dies hat damit zu tun, dass die Benzin- und Dieselhersteller in der Vergangenheit davon ausgegangen sind, dass künftig weniger Benzin und Diesel nachgefragt werden, sich aber nach und nach aus dem Geschäft zurückgezogen haben. Die Zukunft gehörte Elektroautos. Doch nun treiben knappe Produktionskapazitäten die Preise in die Höhe.
Hohe Benzin- und Dieselpreise sind einer der Gründe, warum auch andere Güter teurer werden, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Dies liegt daran, dass die Transportpreise steigen, was sich letztendlich auf die Verbraucherpreise auswirkt.
Gemüse war im Vergleich zum Vormonat um 18 Prozent teurer. Auch andere Lebensmittel sind heute deutlich teurer als noch vor einem Monat. Wenn wir die Preise mit denen von vor einem Jahr vergleichen, gibt es einige Produkte, die heute deutlich teurer sind als vor einem Jahr. Mietwagen sind heute 86,8 % teurer als im Juni 2021. Auch Schlafzimmermöbel sind 10,9 % teurer als vor einem Jahr.
Obwohl die Inflation in der Schweiz weiter gestiegen ist, befindet sich die Schweiz im Vergleich immer noch auf einem tiefen Niveau. In der Eurozone lag die Inflation im Juni bei 8,6 Prozent. So hoch wie nie seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. In den USA liegt die Inflationsrate ebenfalls bei 8,6 Prozent. Sie ist so hoch wie zuletzt 1981.
In der Hoffnung, die Inflation in der Schweiz einzudämmen, hat die Nationalbank im vergangenen Monat reagiert und den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf -0,25 Prozent angehoben.
Der Ökonom Klaus Wellershoff sagte dieser Zeitung vor einigen Tagen, die SNB sei zu spät gekommen: „Der Zinsentscheid wird weder die Inflation senken noch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Ich denke, eine politische Rate von -0,25 Prozent fördert die Inflation. Die Nationalbank ist zu spät.“
Philipp Felber-Eisele ist Wirtschaftsverleger bei Tamedia. Sie berichtet direkt aus dem Bund über die Wirtschaftspolitik. Der Germanist und Historiker ist seit 2019 Journalist bei Tamedia.
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