Die Inflation stieg im Juni aufgrund der hohen Gas- und Ölpreise weiter an. Nicht nur die Kosten für Benzin, Diesel und Heizdiesel sind deutlich gestiegen. Kurz vor den Sommerferien schossen die Kosten für Flüge und Pauschalreisen in die Höhe.
Mit 3,4 Prozent übertraf die jährliche Inflation im Juni die Schätzungen der meisten Ökonomen. Das ist der stärkste Anstieg seit 1993. Im Monatsvergleich stiegen die Lebenshaltungskosten um 0,5 Prozent.
So beschleunigte sich die Inflation in der Schweiz im zweiten Quartal des Jahres. Lag die Inflation im April noch bei 2,5 Prozent, waren es im Mai 2,9 Prozent. Damit liegt er erstmals seit 14 Jahren wieder über der 3-Prozent-Marke.
Importierte Waren heizen die Inflation an
Zur Erinnerung: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte Mitte Juni ihren Leitzins in Bezug auf die steigende Inflation angehoben und erklärt, dass die Inflation im dritten Quartal 2022 mit durchschnittlich 3,2 Prozent ihren Höhepunkt erreichen soll. Danach wird es wieder leicht schwächer.
Wie andere Länder leidet auch die Schweiz unter stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen. Infolge der Corona-Krise und günstigerer Ölpreise sank die Jahresinflation im Sommer 2020 auf -1,3 %. Danach ging es wieder mehr oder weniger stetig aufwärts.
Wenig überraschend wurde die Inflation im Juni 2022 auch durch importierte Waren angeheizt. Diese seien 8,5 Prozent teurer als vor einem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt (BFS) am Montag mit. Bei den inländischen Waren betrug die jährliche Inflation 1,7 Prozent.
Hier steigen die Kosten
Die Treiber der „importierten“ Inflation waren Ölprodukte. Konkret sollen im Vergleich zum Juni 2021 88 Prozent mehr für Heizdiesel ausgegeben werden. Auch die Ausgaben für Benzin (+ 35,4 %), Diesel (+ 34,8 %) und Gas (+ 43,5 %) stiegen deutlich an.
Die sogenannte Kerninflation, die durch Schwankungen bei den Energie- und Kraftstoffpreisen ausgeglichen wird, stieg im Juni „nur“ um 1,9 Prozent. In den letzten zehn Jahren lag diese zugrunde liegende Inflationsrate jedoch im Durchschnitt genau bei null.
Der Ölpreisanstieg wirkte sich auch auf andere Posten des Familienbudgets aus. Hauptsächlich für den Luftverkehr (+ 74 %). Aber auch für kombinierte Auslandsreisen (+ 28 %) und Mietwagen (+ 87 %) mussten die Schweizer deutlich mehr bezahlen als noch vor einem Jahr.
Wohnen wird teurer
Bemerkenswert ist auch der erneute Anstieg der Wohnungsmieten. Im Juni lagen sie um 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Ein Preisanstieg ist hier besonders bedeutsam, da sie Experten zufolge etwa 20 Prozent der Kerninflation wiegen.
Gemäss einer BFS-Umfrage im Jahr 2019 gaben die Schweizer Haushalte durchschnittlich ein Siebtel ihres Budgets für Wohnen und Energie aus (Preissteigerung von 2,5 %).
Zur besseren Vergleichbarkeit geben die Statistiker aber auch den im Euroraum üblichen Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) an. In der Schweiz lag der Anstieg im Juni bei knapp 3,2 Prozent.
International ist die Inflation höher
Daher bleibt die Inflation hierzulande auf einem relativ niedrigen Niveau. Mit 8,6 Prozent war die Inflation in der Eurozone im Juni die höchste seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. In den USA lag die Inflationsrate im Mai mit 8,6 Prozent ebenfalls auf dem höchsten Stand seit 1981. (nim/SDA )