Stand: 02.06.2022 17:46
Kaputte Fahrkartenautomaten und verlassene Eingangsbereiche: Viele kleine deutsche Bahnhöfe sind desolat. Aber der Zug kann nicht viel. Er verkaufte die meisten Bahnhofsgebäude.
Wenn Neun-Euro-Touristen am langen Pfingstwochenende durchs Land reisen, sehen sie viele zerstörte Bahnhöfe, die dringend saniert werden müssen. Viele Empfangsgebäude seien in einem unbefriedigenden Zustand und könnten von Fahrgästen nicht mehr genutzt werden, kritisiert das Bündnis pro Schiene. Damit mehr Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen, braucht es attraktive Bahnhöfe.
Nur noch 683 Bahnhöfe gehören zur Bahn
Das Problem: Die meisten Gebäude des Bahnhofs gehören nicht mehr der Deutschen Bahn. Die meisten Gebäude hat er in den letzten Jahren verkauft. Seit 1999 wurden nach Angaben des Bündnisses pro Schiene 81 Prozent der Bahnhofsgebäude verkauft. Nur 683 der 3507 Gebäude des Bahnhofs gehören der Deutschen Bahn.
Besonders dramatisch ist die Lage im Osten. „Die meisten Bahnhöfe in den ostdeutschen Bundesländern sind verkauft“, sagte Dirk Flege, Hauptgeschäftsführer der Allianz pro Schiene. “In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gehören nur je 20 Bahnhofsgebäude dem Bund.” In Sachsen-Anhalt wurden 310 von 322 Bahnhöfen stillgelegt und in Thüringen 267 von 279.
Viele Gebäude für Immobilien verkauft
Viele Gebäude wurden für Immobilien verkauft. Der britische Immobilienfonds Patron Capital hat vor rund zehn Jahren fast 1.000 Bahnhofsgebäude erworben. Einige von ihnen gab er wegen mangelnder Rentabilität auf.
Einige Stationen werden auch versteigert. Einige Objekte werden auf der Website bahnliegenschaften.de angeboten, etwa das Empfangsgebäude im thüringischen Oppurg oder das ehemalige Bahnhofsgelände Stavenhagen am Rande der Mecklenburgischen Seenplatte. Der eine oder andere Bahnnostalgiker hat tatsächlich verlassene Gebäude der Bahnhöfe für ein paar tausend Euro gekauft.
Auch der Bahnhof Stralsund-Rügendamm stand zum Verkauf. Bild: Picture Alliance / Jens Köhler
Allianz pro Schiene bittet um finanzielle Unterstützung
Der Bund ist nicht für die Instandhaltung der Stationen zuständig. Und: Die Verwaltung ist den Kommunen oft zu teuer. Das Bündnis pro Schiene fordert Bund und Länder auf, Eigenheimbesitzer finanziell zu unterstützen, wenn sie die Gebäude an den sich ändernden Verkehr anpassen.
Ein wenig Hoffnung kommt aus Nordrhein-Westfalen. Zahlreiche Empfangsgebäude wurden dort von Städten und Gemeinden erworben.