“Hast du Angst vor Krieg?” – Mit dieser Frage beginnt Fischer das Stück. Die von Herbert Schäfer gestaltete Bühne ist in Nebel getaucht, aus dem langsam ein großer Vollmond auftaucht. Später bietet eine Spiegelwand reizvolle Perspektiven und optische Verdoppelungen.
Landleben, Herzlichkeit, Liebe, gepflegte Langeweile, alle philosophieren, keiner tut was: Irina (sehr kultiviert mit Sonnenbrille: Sandra Cervik) trifft den Kern dieser für Tschechow typischen Ausgangslage. Sein Bruder ist der einzige Martin Schwab, 84, der von Anfang an mit einem herrlich ironischen Einstiegsdialog den wahren Mittelpunkt des Ensembles bildet. Auch Dunja Sowinetz, Markus Kofler, Claudius von Stolzmann und Günter Franzmeier haben Erfahrung in Reichenau.
Happels Absicht, junge Menschen einzubeziehen, erkennt man sofort am Einsatz seiner eigenen Tochter Paula Nocker, die schon als Kind auf der Reichenauer Bühne stand, heute Mitglied des Josefstadt-Ensembles ist und nun die Rolle der Tochter der Inhaberin Nina spielt mit der gehörigen Naivität einer jungen Schauspielerinkandidatin. Nils Arztmann, Student am Max-Reinhardt-Seminar, ist als Irinas Sohn Konstantin der Verzweiflung zum Opfer gefallen.
Alles in allem kein einmaliger, aber ein deutlicher, wenn auch zu konventioneller Versuch, eine Verbindung zur Loidolt-Ära herzustellen. Nicht nur bei „Die Möwe“ gibt es noch Luft nach oben.
(SERVICE – Festspiele Reichenau: „Die Möwe“ von Anton Tschechow. Regie: Torsten Fischer. Mit u. a. Sandra Cervik, Martin Schwab, Paula Nocker, Nils Arztmann. Weitere Vorstellungen bis 6. August, Karten und Infos: Tel. 02666/52528 ,)