Die neue Regierung Sloweniens: drei Ministerpräsidenten und ein Zusammenschluss von Parteien

Vor anderthalb Monaten hat Robert Golob mit seiner Partei Gibanje Svoboda (Freiheitsbewegung) die Parlamentswahlen in Slowenien mit großem Vorsprung gewonnen. Dem Quereinsteiger, der wenige Wochen zuvor gerade seine eigene Liste mit grünliberalem Image adaptiert hatte, gelang es am Wahltag Ende April, die Mitte-Links-Stimmen zu vereinen. Die zentrale Botschaft des Wahlkampfs lautete: Janez Jansa muss gehen. Im Gegenzug nahmen die kleinen Einzelparteien sogar ihren eigenen Untergang in Kauf, obwohl offenbar Kalkül dahinter steckte, wie sich nun zeigt. Aber darüber reden wir später: Seit Ende April wartet man nur noch darauf, dass Golob Jansa offiziell als Ministerpräsident ablöst. Am Mittwoch war es endlich soweit. Nach mehreren Stunden hitziger Debatte wurde er mit 54 der 90 Stimmen der Abgeordneten gewählt. Er legte sofort den Amtseid ab.

Seine Regierungsmannschaft muss in den nächsten Tagen noch die in der slowenischen Verfassung vorgesehenen parlamentarischen Anhörungen durchlaufen, sie kann sich also nur schrittweise offiziell formieren: Wohin will Golob das Land führen? „Für eine bessere Zukunft, denn das erwarten unsere Wähler. Und ihre auch“, sagte er der Partei SDS von Abgeordneten Jansa, die jetzt den Kern der Opposition bildet.

Während das Ziel die Vorgabe ist, ist der Pfad viel weniger so. Denn es war weit mehr als eine Klage über den Zustand der politischen Kaste – der nun auch der ehemalige Manager des Energiesektors angehört – und das Versprechen, „vier Jahre und notfalls zweimal vier Jahre“ für das Land zu arbeiten. aus Golobs Rede im Parlament lässt sich dies nicht ableiten.

Die Koalition aus Golob-Partei, Sozialdemokraten und Linkspartei hat bereits den Fokus auf leichter vermarktbare Inhalte kommuniziert. Slowenien bekommt ein Ministerium für eine solidarische Zukunft. Linkenführer Luka Mesec sollte sich in diesem Ressort auf Wohnungsbau, Wirtschaftsdemokratie und Solidarität zwischen den Generationen konzentrieren. Interne Kritiker der Linken nennen es Ergotherapie. Denn mit dem Zukunftsressort ist kein Raum, sich mit den anderen Agenden der Linken viel tiefer zu beschäftigen, etwa zu Abrüstungsfragen.

Bemerkenswert sind auch zwei weitere Namen auf Golobs Ministerliste: Alenka Bratusek und Marjan Sarec. Sie war 2013 ein Jahr lang Premierministerin und wird nun Infrastrukturministerin, ab 2018 war sie zwei Jahre lang Premierministerin und jetzt ist sie für das Verteidigungsressort zuständig. Bei den Wahlen im April fielen die Parteien, die ihren Namen trugen, vollständig und verloren den Zugang zum Parlament, aber es reichte offenbar für das eigene politische Überleben. Und die Feiertage? Sie werden im Juni mit Golobs Gobanje Svoboda fusionieren. Dahinter steckt das Kalkül des neuen Ministerpräsidenten: Bei den nächsten Kommunalwahlen braucht es lokale Strukturen, um es sogar zu wagen, gegen die SDS von Jansa, eine der wenigen innenpolitischen Konstanten, anzutreten. Sie erhalten sie durch Fusion.

Dass mit diesem Schritt die Bildung von Lagern in Slowenien noch deutlicher in Parlamentsreden wird. “Golob hat sich von Anfang an geweigert, mit uns zu sprechen. Bei meiner Herkunft, am Meer, nennt man das Faschismus”, klagt SDS-Fraktionsvorsitzende Jelka Godec.

Am ersten Tag von Golobs Amtszeit wurde auch deutlich, dass es aus österreichischer Sicht kaum nennenswerte Änderungen in slowenischen innenpolitischen Themen geben wird: der Minderheitenfrage und dem Beharren auf Atomenergie. Zwar gibt es ein Klimaschutzministerium, das eine Energiewende vorantreiben soll, aber es ist nicht klar, in welche Richtung es gehen soll und welche Spielräume es angesichts steigender Energiepreise haben wird. Zur Frage des Ausbaus des Kernkraftwerks Krsko wurde ein Referendum angekündigt, aber es wird fast keine Abstimmungen für eine Abkehr von der Kernkraft geben.

Auch in der Frage der Minderheiten – Ungarn und Italiener werden in Slowenien als Minderheiten anerkannt, die Untersteirer und die Gottscheer heißen Slowenen, die nur eine andere Sprache sprechen – ist keine Bewegung zu erwarten.

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