Die Odyssee der „Razoni“ geht weiter

Das Rätsel um den Getreidefrachter „Razoni“ geht weiter

Beirut/Istanbul, 22.09.08: Das mit ukrainischem Getreide beladene Frachtschiff „Razoni“ ankerte unerwartet vor dem türkischen Hafen Mersin. Das demonstrierten am Dienstag mehrere Schiffsverfolgungsdienste. Die 26.000 Tonnen Mais sollten in die libanesische Hafenstadt Tripolis und von dort ins benachbarte Syrien transportiert werden. Etwa einen Tag vor der Ankunft änderte das Schiff dann seinen Kurs. Die “Razoni” hatte vor einer Woche als erstes Schiff nach dem Ende der russischen Getreideblockade den ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa verlassen. Nach einer Inspektion in Istanbul ging es zunächst in den Libanon, erklärte dann aber unerwartet „Order“ als neuen Bestimmungsort, also einen nicht näher bezeichneten Ort, an dem ein Händler die geladene Ware bestellt. Die ukrainische Botschaft im Libanon teilte am Montagabend unter Berufung auf Spediteure mit, dass der Käufer mit einer Wartezeit von fünf Monaten ausgestiegen sei. Beobachter im Libanon waren auch von der großen Ladung Mais überrascht, der gemahlen und an die Tiere verfüttert worden sein soll. Möglich schien auch, dass der geplante Transport nach Syrien aufgrund der großen medialen Aufmerksamkeit für die „Razoni“ explodieren würde.

08.09.2022

Das mit ukrainischem Getreide beladene Frachtschiff „Razoni“ befindet sich nicht auf dem planmäßigen Kurs in den Libanon. Stattdessen ging es unerwartet im türkischen Hafen Mersin vor Anker. Der Käufer soll aufgegeben haben.

Der Getreideförderer „Razoni“ ist nicht auf seinem vorgesehenen Kurs. Dies wurde am Dienstag von den Schiffsortungsdiensten vesselfinder.com und marinetraffic.com gezeigt. Die “Razoni” hatte vor einer Woche als erstes Schiff nach dem Ende der russischen Getreideblockade den ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa verlassen.

Eigentlich sollten die 26.000 Tonnen Mais in die libanesische Hafenstadt Tripolis und von dort nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur ins benachbarte Syrien transportiert werden. Etwa einen Tag vor der Ankunft änderte das Schiff dann seinen Kurs.

Nach einer Inspektion in Istanbul ging es zunächst in den Libanon, erklärte dann aber unerwartet „Order“ als neuen Bestimmungsort, also einen nicht näher bezeichneten Ort, an dem ein Händler die geladene Ware bestellt.

Das Frachtschiff „Razoni“ wird den Bosporus am 3. August auf der geplanten Route befahren.

KEYSTONE/EPA/TOLGA BOZOGLU

Der Käufer soll aufgegeben haben

Die „Razoni“ liegt seit Samstag vor der türkischen Küste bei Iskenderun vor Anker und ist dann laut Marinetraffic in der Nacht zum Dienstag in den Hafen von Mersin aufgebrochen. Der Hafenbetreiber war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die ukrainische Botschaft im Libanon teilte am Montagabend unter Berufung auf Spediteure mit, dass der Käufer mit einer Wartezeit von fünf Monaten ausgestiegen sei. Man sucht einen neuen Empfänger im Libanon oder anderswo. Dass die „Razoni“ kurz vor der Ankunft das Ziel geändert habe, sei „etwas seltsam“, sagte ein Sprecher von Marinetraffic.

Große Ladung Mais, ungewöhnlich für den Libanon

Zuvor hatten libanesische Regierungsvertreter der dpa mitgeteilt, dass die Händler vermutlich einen Teil der erwarteten Maisladung des Libanon ins benachbarte Syrien bringen wollten. Der Export von Lebensmitteln nach Syrien ist legal, wird aber durch westliche Finanzsanktionen gegen die syrische Regierung erschwert. Die Hisbollah beispielsweise schmuggelt im großen Stil Lebensmittel und Medikamente nach Syrien und kontrolliert auch die meisten illegalen Grenzübergänge.

Beobachter im Libanon waren auch von der großen Ladung Mais überrascht, der gemahlen und an die Tiere verfüttert worden sein soll. In seiner schweren Wirtschafts- und Ernährungskrise brauche der Libanon Weizen, nicht Mais, sagte Hani Bushali, Präsident des libanesischen Lebensmittelimport-Konsortiums. Möglich schien auch, dass der geplante Transport nach Syrien aufgrund der großen medialen Aufmerksamkeit für die „Razoni“ explodieren würde.

Inspektoren untersuchen die Ladung des Frachters „Razoni“ am 3. August in der Türkei.

KEYSTONE/EPA/TÜRKISCHES VERTEIDIGUNGSMINISTERIUM BLATT

sda/Eigentümer

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