Die Romanden und die Bösen

Die Westschweiz fühlt sich nicht wie die Bösen

„Statt zu swingen schauen die Rumänen lieber Formel 1“

Nur 373 aktiv: Während die Deutschschweiz wegen des Eidgenössischen Schwingfestes seit Wochen in der Krise steckt, interessiert sich in Lausanne und Genf kaum jemand für den Sägemehlsport.

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Damit Hosenlupf in der Westschweiz zum grossen Durchbruch kommt, braucht es vor allem eines: «Ein König der Schweizer kämpft!». Im Bild: Halter Christian Stucki.

Camille Kündig

Eigentlich wäre es sein großes Wochenende, aber etwas macht Blaise Decrauzat traurig. “Statt zu schwingen schauen die Rumänen lieber Formel 1.” Decrauzat, einziger Westschweizer im Zentralvorstand des nationalen Schwingerverbandes, weiss: Die Fans der «Bösewichte» sprechen Schweizerdeutsch. Zumindest die meisten.

Die „lutte suisse“ – oder, wie der Sport in der Westschweiz auch genannt wird, die „lutte à la culotte“, wobei „culotte“ Unterhose oder Unterhose bedeutet, wird oft als Nationalsport bezeichnet. Besonders beliebt ist die Disziplin des Sägens von Appenzell bis Interlaken.

Nach der ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac FR gab es einen kurzen Anstieg des Interesses und der Mitgliederzahl, und seitdem baut sich der Kampf langsam, aber stetig auf, sagt Michael Saner vom Schweizer Schwingerverband. “Aber in der Westschweiz bleibt es viel weniger beliebt.” Die 373 aktiven „Ringer“ des Südwestschweizer Verbandes stellen nur zehn Prozent der Athletinnen und Athleten. Obwohl die Italiener einst einflussreiche Persönlichkeiten wie Ernest Schläfli von Posieux FR, Sieger von Unspunnen 1976, hatten, war das Interesse an Kronen und Geschenkstempeln immer gering. Da?

Vor allem die Story soll ausschlaggebend sein. Die Etablierung des Schwingens im 19. Jahrhundert sei eindeutig eine schweizerisch-deutsche Angelegenheit gewesen, sagt der Sporthistoriker Michael Jucker mit Blick auf Unspunnen und die ersten Schwingfeste in der Innerschweiz.

Für den Durchbruch von Hosenlupf braucht es vor allem eines: «Ein König des Schweizer Kampfes!», sagt Blaise Decrauzat.

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