7. Juni 2022
© APA / APA / Salzburger Festspiele / © Marco Borrelli
Eine letzte Reise nach Sevilla. 153 Opern sind in der spanischen Stadt beheimatet, von denen Cecilia Bartoli zum Leitthema der diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele wurde. Beim großen Galakonzert am Montagabend sang er Arien aus den berühmtesten dieser Opern zusammen mit anderen Stars wie Plácido Domingo und Piotr Beczala.
Ein kleiner Schock am Ende. Aus gesundheitlichen Gründen mussten Rolando Villazón und Rebeca Olvera ihre Teilnahme am letzten Konzert des Festivals absagen. Olveras Partien mussten aber nicht aus dem Programm genommen werden, denn bekanntlich kann Cecilia Bartoli fast alles übernehmen und so zum Beispiel eine Arie wie Zerlina. Nur der amerikanische Tenor John Osborn übernahm lieber Villazóns Tenorpartien. Ansonsten verlief der Abschluss des Festivals wie geplant und mit viel Elan für einen gelungenen Abend im Großen Festspielhaus.
„Don Giovanni“, „Carmen“, „La Forza Del Destino“ haben alle denselben Schauplatz: Sevilla. Um dies zu unterstreichen, erschienen auf der großen Leinwand hinter dem Orchester zahlreiche Impressionen aus der andalusischen Hauptstadt. In diesem Zusammenhang donnerte Nicola Alaimo die Aufnahmearie von „Don Giovanni“ mit viel Volumen, und Ildebrando D’Arcangelo erinnerte mit der Champagnerarie daran, warum sie im Sommer 2014 in der Hauptrolle so gefeiert wurde, was immer noch klingt ein warmblütiger Latin Lover singt Etwas unfreiwillig erlebte Plácido Domingo im nächsten Duett mit Cecilia Bartoli als Zerlina einen direkten Vergleich, der ihn eher als Gentleman der alten Schule denn als Feuerliebhaber outen ließ.
Den wichtigsten Platz vor der Pause belegte „Carmen“, eine Starrolle des tatkräftigen Bartoli. Mit Hang zur Übertreibung sang, spielte und tanzte er im Flamenco-Kleid und machte schnell klar, dass ein eleganter und sensibler Don José, wie John Osborn sang, bei einer so starken Frau keine Chance hatte. Schade, dass für Ausschnitte aus „La Forza del Destino“ nicht viel Platz war, denn sie entpuppten sich zumindest aus musikalischer Sicht als Highlight des Abends. In der Rolle der Leonora konnte Bartoli seine größten Tugenden ausspielen, sein weiches, zurückhaltendes und zugleich kraftvolles Vibrato und seine klaren Koloraturen. Der strahlende Tenor Piotr Beczala wurde nur mit einer großen Arie ausgezeichnet, in der er mit unendlicher Leichtigkeit demonstrierte, warum er derzeit als einer der besten Tenöre der Welt gilt. Gianluca Capuano und die Musiciens du Prince – Monaco fanden nach einem sehr schnellen Einstieg ins Programm auch hier einen angenehmen und warmen Gesamtklang.
Am Ende wurde der Bogen zum Anfang gespannt. Beim Sextett der Uraufführungsoper „Der Barbier von Sevilla“ gaben Bartoli und seine Freunde mit viel Spaß und Feinschliff alles und brachten das Publikum zum Applaus und Applaus. Ein gelungener Abschluss der Festspiele, die nicht nur wegen der lockeren Maske und der Abstandsregeln nach zwei schwierigen Jahren viel Freude und Leichtigkeit nach Salzburg gebracht haben.