Die Schweiz soll ihr eigenes Gas produzieren

Drohender Energieengpass: „Wir brauchen keine Heizungspolizei“

Bei einem Gasengpass will die SP der Bevölkerung verbieten, das Haus über 20 Grad zu heizen. Bei den Energiepolitikern der anderen Parteien findet der Vorschlag kaum Anklang.

02.06.2022

In der Romandie und im Tessin gibt es Erdgasfelder. Aus Angst vor Erdbeben und Grundwasser hat die Schweiz bisher auf Eigenfinanzierungen verzichtet. Mit dem Krieg in der Ukraine steht das Thema wieder auf der Tagesordnung.

Spätestens im Winter könnte Gas in der Schweiz zur Mangelware werden. Da Russland seine Gaslieferungen in immer mehr europäische Länder einstellt und sich die Gespräche der Landesregierung mit anderen Gasimporteuren verlangsamen, muss nun eine neue Lösung gefunden werden: Schweizer Gas.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, fordert Solothurns SVP-Nationalrat Christian Imark, dass die Schweiz eigene Standorte nutzt. Mit einer Interpellation fordert er vom Bundesrat detaillierte Informationen zum Potenzial des in der Schweiz hergestellten Gases.

Laut dem pensionierten Tessiner Unternehmer Pietro Oesch stehen grosse unterirdische Ressourcen auf seiner Seite: «Wir könnten genug Erdgas produzieren, um den gesamten Bedarf der Schweiz zu decken.» Er sagt sogar, dass der Bedarf für die nächsten zwei, drei Generationen gesichert werden könnte.

Mit seiner Firma Timetan SA begann Oesch 1998 mit seismischen Messungen im Tessin nach Erdgas zu suchen und gab dafür rund 2,7 Millionen Franken aus.

Letztendlich wurde jedoch nie geklärt, wie viel Gas gefördert werden konnte. Da importiertes Gas viel billiger war als einheimisches Gas, wurde das Projekt nicht weitergeführt. Das Unternehmen wurde 2015 aufgelöst.

Energiekrise

Soll die Schweiz ihr Erdgas fördern?

Per Abstimmung entscheiden

Auch der «Tages-Anzeiger» schreibt über ein grosses Gasfeld im Jura de Neuchâtel und im Waadtländer Chablais. Auch ein Neuenburger Unternehmen interessierte sich vor rund zehn Jahren für eine Finanzierung. Sie war vertreten durch den ehemaligen Botschafter in Berlin, Thomas Borer. Er sprach davon, mit den Gasfeldern in der Westschweiz den Schweizer Verbrauch für rund zehn Jahre decken zu können. Der Kantonsrat genehmigte jedoch ein Moratorium, das weitere Bohrungen verbietet.

Trinkwasserverschmutzung wird befürchtet

In Neuchâtel wurde befürchtet, dass das Trinkwasser in den Städten La Chaux-de-Fonds und Neuchâtel verunreinigt wird, wie es in den französischen Grenzgemeinden geschehen ist. Der heutige Nationalrat Fabien Fivaz (Grüne/NE) sagte dem «Tages-Anzeiger», Schiefergas solle aus dem Boden gelöst und mit Fracking, dem Aufbrechen von hydraulischen Gesteinen und chemischen Produkten an die Oberfläche gebracht werden.

In der Gemeinde Vaud de Noville wurden bereits Bohrungen in einer Tiefe von rund 4.000 Metern durchgeführt. Der beteiligte Geschäftsmann Philippe Petitpierre sagt, es sei Gas ausgetreten. Es werden weder Fracking noch Chemikalien benötigt, um es zu fördern. Auch das Grundwasser in der Region war nicht gefährdet. Allerdings verhängte auch der Kanton Waadt ein Moratorium für die Gasproduktion. Bedenken wegen möglicher Erdbeben hätten die Bewerber nicht ausräumen können, sagte die damalige kantonale Umweltdirektorin und heutige Nationalrätin Jacqueline de Quattro (FDP/VD).

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