Die SVP kämpft mit dem Klimagesetz auf verlorenem Posten

Beim Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative findet die SVP bei den anderen Parteien kaum Gehör.

Gletscherexperten darunter: LPG-Präsident Jürg Grossen von Frutigen BE (links) fragt Nationalrat SVP Michael Graber von Brig-Glis VS. – Schlüsselschlüssel

Ankündigungen

das Wesentliche zusammengefasst

  • Der Nationalrat diskutiert das Null-Netto-Ziel ab 2050.
  • Die Argumente der SVP werden von den anderen Parteien oft rundheraus zurückgewiesen.
  • Befürworter sind überzeugt, dass das Blatt auch die Wählerschaft auf den Kopf gestellt hat.

Auf dem Weg zum Null-Netto-Ziel ab 2050 sind die ersten Weichen gestellt. Heute wurde die Debatte über den Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative im Nationalrat fortgesetzt. Wie immer beim Für und Wider des Klimaschutzes werden die Diskussionen hitzig geführt. Doch die SVP kämpft immer mehr allein und auf verlorenem Posten und unterlag auch in der Schlussabstimmung.

Mit einer kritischen Haltung gegenüber dem Wetter bleibt die SVP allein

Steigende Benzinpreise, drohende Energieknappheit im Winter: Jetzt sei der falsche Zeitpunkt, um beim Klimaschutz an der Schraube zu drehen, findet die SVP. Schon gar nicht mit dem indirekten Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative, sagte unter anderem SVP-Nationalrat Michael Graber.

Reguläre Benzinpreise in mehreren europäischen Ländern Ende Mai / Anfang Juni 2022, mit der Schweiz auf Platz 6. – TCS / Nau.ch

Schließlich ist er als Vallèser mit Gletschern aufgewachsen und wollte diese bewahren, weil sie für den Tourismus wichtig sind. Aber die Gletscherinitiative rettet keinen Zentimeter Gletscher. Doch nur die SVP-Bundestagsfraktion folgte seinem Nichtantrittsgesuch. Bei allen anderen Parteien scheint die Volkspartei mit ihren Klimaargumenten nur Abwehrreflexe auszulösen.

GLP: “SVP macht alles lächerlich”

Das gilt auch für den Graber-Gletscher-Genießer, dem sofort vorgeworfen wurde, nicht über den Tellerrand zu schauen. Grünen-Präsident Jürg Grossen stellte fest, dass er auf Gletschern ebenso kompetent sei wie auf Frutigen BE auch «einfacher Aussendienstler».

Natürlich könne man Gletscher nicht nur auf ihre touristische Nutzung reduzieren: „Das war extrem umstritten; du kannst so nicht weitermachen. Auch wenn die SVP sagt, man muss etwas tun, haben sie keine eigenen Rezepte, also machen sie sich über alles lustig.“

Graber relativiert seine Aussagen auf Nau.ch, aber die Gletscher sind in den Bergen. “Wir haben viele Probleme, die uns betreffen – der Wolf, die Flächennutzungsplanung, der Benzinpreis – und die werden dann von den meisten Unterländern ‘gelöst’.” Doch die Mehrheit im Unterland und die Mehrheit im Parlament scheinen die Argumente der SVP satt zu haben.

Imark: “Du musst mir zuhören!”

Es kommt so weit, dass man die SVP nicht mehr hören will. Am deutlichsten spürte das Nationalrat Christian Imark, dem nach seiner Rede ein halbes Dutzend Fragen gestellt wurden. Unter anderem Gabriela Suter (SP), die sie dazu drängen wollte, sich für die grossen Probleme des Klimawandels einzusetzen.

SVP-Nationalrat Christian Imark wird zunächst mit FDP-Kollege Christian Wasserfallen verwechselt, dann komplett ignoriert. – Das Schweizer Parlament

Imark ist wahrscheinlich von der vorherigen Frage abgewichen. Sein Fraktionskollege Benjamin Giezendanner hatte ihn wegen einer angeblich ähnlichen Frisur mit dem FDP-Kollegen Christian Wasserfallen verwechselt. Als der Nationalrat von SP Suter mitten in seiner Antwort von ihm abrückte, begann Imark sie zu disziplinieren: „Du musst mir zuhören; Frau Suter, Sie haben mir eine Frage gestellt!»

Imark nahm es mit Humor, dass er dann komplett den Faden verlor. Suters Begründung für sein Desinteresse ist jedoch aufschlussreich: „Christian Imark hat meine Frage nicht beantwortet, sondern sie als Plattform genutzt, um seine Ansichten zur Sicherheit der Stromversorgung zu äußern und einen umfassenden Rechtsstreit zu machen“. Deshalb ging er zurück auf seinen Platz, «aber das heisst nicht, dass er es nicht gehört hat», betont Suter.

Auf wen hören die Wähler?

In der SVP hingegen ist man überzeugt, die Bevölkerung an ihrer Seite zu haben. Der Erfolg gegen das CO2-Gesetz schwingt mit, Wähler und Händler stöhnten unter hohen Benzinpreisen. “Wir würden diesen Gegenvorschlag vor den Augen der Bevölkerung versenken”, ist ein UDC-Stratege überzeugt.

Nationalrat Christian Imark, SVP-SO, Nationalrat Albert Rösti, SVP-BE, alt Nationalrat Hans Egloff, SVP-ZH, Nationalrat Pierre-Andre Page, SVP-FR, Patrick Eperon, Arbeitgeber Zentrum, Thomas Hurter, SVP- SH und Daniel Hofer, Präsident von Avenergy Suisse, applaudierten, nachdem die Stimmberechtigten am 13. Juni 2021 in Bern gegen das CO2-Gesetz gestimmt hatten. – Schlüsselschlüssel

Lediglich die Gletscherinitiative zugunsten des indirekten Gegenvorschlags wird wohl zurückgezogen und es wird nicht automatisch zu einer Volksabstimmung über eine Vorlage kommen. Die UDC sollte dagegen ein Referendum abhalten. Doch das ist trotz hoher Gewinnchancen nicht in Stein gemeißelt, heißt es im Foyer des Bundeshauses.

Der Krieg in der Ukraine verschärft die Ausgangslage

Beide Seiten argumentieren, dass der Krieg in der Ukraine und die Lieferengpässe und die entsprechenden Sanktionen zu steigenden Treibstoffpreisen geführt hätten. „Wenn wir schon knapp sind, müssen wir den Spritpreis nicht erhöhen“, sagt Michael Graber.

Ein Argument, das wiederum nicht zu den anderen Parteien in der Debatte um den Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative passte. Im Gegenteil, Umweltministerin Simonetta Sommaruga glaubte, dass die Abkehr von fossilen Brennstoffen durch den Krieg in der Ukraine noch dringlicher geworden sei.

Was haltet ihr von der Gletscherinitiative?

GLP-Präsident Grossen relativiert: „Hier im Rat ist das nur einer von vielen Faktoren.“ Der Krieg in der Ukraine schafft gerade in der Bevölkerung etwas mehr Sensibilität, die wir brauchen, um weg von fossilen Brennstoffen zu kommen. “Denn hier haben Sie ein anschauliches Beispiel für die Folgen dieser Abhängigkeit.” Offenbar findet Grossen das viel überzeugender als alle Kampagnen der SVP: “Die SVP wird das Referendum wohl kaum durchführen, das müssten Sie inzwischen erfahren haben.”

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