Die US-Technologiebranche fürchtet Jobs im Silicon Valley

Stand: 04.06.2022 13:15

Entlassungen, Einstellungsstopps und Produktionsausfälle beunruhigen die Arbeitnehmer in der US-amerikanischen Technologiebranche. Vor allem kleinere Unternehmen haben Angst, dass ihnen in einer Rezession das Geld ausgeht.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio San Francisco

Letzte Woche schickte Y-Combinator eine Mitteilung an seine Gründer in Mountain View, wo es auch seinen Hauptsitz bei Google hat. Der sogenannte Inkubator bereitet Start-ups auf das Geschäftsleben vor. In der E-Mail hieß es, sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

David Sachs stimmt zu: Mit seinem Unternehmen Craft Ventures finanziert er seit vielen Jahren junge Technologieunternehmen. „Das ist das Schlimmste, was ich seit dem Platzen der Punktblase gesehen habe“, sagt er. “Noch schlimmer als die große Rezession 2008/2009.”

Aber nicht nur Start-ups spüren die Auswirkungen des sich verschlechternden Geschäftsklimas. Große Tech-Unternehmen wie Meta oder Salesforce wollen viel weniger Personal einstellen. Bei Netflix wurden sogar die ersten Mitarbeiter gefeuert.

Die Aktien haben stark an Wert verloren

Besonders schlecht gelaunt soll Meta, die Muttergesellschaft von Facebook, sein, nicht nur, weil Aktienoptionen für Mitarbeiter wegen des gesunkenen Börsenwerts viel weniger wert sind. Große Sorge herrscht auch auf Twitter über den geplanten Amtsantritt von Tesla-Chef Elon Musk. Hinzu kommt der Wertverlust an den Aktienmärkten.

„Wir sprechen von 70 %, 80 % und mehr Korrekturen“, sagt Investor Sachs. Das habe im Silicon Valley einen enormen Wandel bewirkt: „Es hat mit börsennotierten Unternehmen begonnen, hat sich nun auf wachsende Unternehmen ausgeweitet und hat im Grunde das gesamte Ökosystem erfasst.“

Neuanschaffungen sind geplant

Der von Technologieaktien dominierte Index S&P 500 hat in diesem Jahr bisher mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Lars Meyer vom globalen Unternehmen Freshfields Bruckhaus Deringer sagt, von einer echten Blase könne derzeit keine Rede sein. Meyers Anwaltskanzlei hat ein großes Büro in Redwood City, im Herzen des Silicon Valley. Freshfields organisiert Akquisitionen und Fusionen in der Technologiebranche.

„Allerdings sehen wir ein stabiles Marktumfeld. Es gibt immer noch Investoren, die in diesen Bereich investieren“, sagt der Jurist. „Es gibt noch gut geführte Unternehmen mit eingespielten und bewährten Gründerteams, die in Krisen alles sicher am Laufen halten.“ Glauben Sie also nicht wirklich an eine Blase. In einigen Fällen ist jedoch „eine gewisse Korrektur“ aufgetreten.

Die Ratings vieler Unternehmen sind mittlerweile sehr niedrig. Meyer rechnet daher mit Neuzugängen im Silicon Valley: „Man sieht auch, dass es noch tolle Deals auf dem Markt gibt.“ Beispiele sind die für 61 Milliarden Dollar geplante Übernahme des Cloud-Spezialisten VMware durch den Chipkonzern Broadcom oder das Angebot von Elon Musk für Twitter.

Enttäuschung nach der Zunahme der Pandemie

Und was sagen Mitarbeiter von Technologieunternehmen? Viele haben Angst, vor allem Mitarbeiter von Unternehmen wie dem Videokonferenzdienst Zoom oder der Streaming-Plattform Netflix, die während der Pandemie abgehalten wurden. Jetzt kümmern sie sich um ihren Job.

Ähnlich erging es dem Finanzdienstleister Robinhood. Zum Zeitpunkt des Börsengangs im vergangenen Jahr lag der Aktienkurs teilweise über 70 US-Dollar. Die Zeitung kostet jetzt neun Dollar. Und fast jeder zehnte Mitarbeiter hat eine Kündigung erhalten.

Die Technologiebranche im Silicon Valley verlangsamt sich

Marcus Schuler, ARD Los Angeles, 06.02.2022 09:38

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