Die Waldbrände in Brandenburg und Sachsen sind noch immer außer Kontrolle

Stand: 26.07.2022 16:50 Uhr

Hunderte Feuerwehrleute sind im Einsatz, doch die Brände in Brandenburg und Sachsen wüten weiter. Brandenburgs Innenminister befürchtet, dass die Entfernung Wochen dauern könnte. Es gibt wahrscheinlich keine weiteren Evakuierungen.

Die Lage in den Waldbrandgebieten in Brandenburg und Sachsen ist weiterhin kritisch, die Brände sind nicht unter Kontrolle. In Brandenburg brennt es auf einer Wald- und Wiesenfläche von 8,5 Quadratkilometern, fast 1200 Fußballfeldern. Der Feuerwehrverband spricht vom größten Waldbrand in diesem Jahr im Bundesstaat.

Doch die ersten Bewohner im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis können nun wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Evakuierung der Städte Kölsa und Rehfeld wurde aufgehoben, wie der Landkreis mitteilte. Die Evakuierung blieb für das Dorf Kölsa-Siedlung. Die Bewohner der drei Orte mussten gestern ihre Häuser verlassen. Etwa 300 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Nach Einschätzung des Landkreises sind keine weiteren Evakuierungen notwendig. „Aber die Gefahr ist noch nicht vorbei“, warnte Verwaltungsstabschef Dirk Gebhard.

Den Rettungsdiensten wurden Windböen von bis zu 60 Stundenkilometern gemeldet. „Das hängt alles von den Wetterbedingungen ab“, sagte Kreissprecher Torsten Hoffgaard am Vormittag.

Feuerwehrleute kämpfen weiter gegen Waldbrände in Ostdeutschland

Sven Knobloch, MDR, Tagesschau um 20:00 Uhr, 26.07.2022

Nach Angaben des Landkreises wurden 480 Einsatzkräfte aus verschiedenen Landkreisen entsandt. 90 Fahrzeuge waren zum Löschen des Feuers im Einsatz. Bei den Löscharbeiten wurden nach Angaben des Innenministeriums acht Feuerwehrleute verletzt. Vier mussten wegen Rauchvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Die Anwohner der Umgebung wurden demnach nicht verletzt.

Zwei Löschhubschrauber der Bundeswehr unterstützen die Feuerwehrleute, drei weitere werden erwartet. Ein Polizeihubschrauber hilft beim Situationsbewusstsein. Löschhubschrauber schöpfen Wasser aus einem Badesee nahe dem Erholungsgebiet Kiebitz. Auch eine Bundesstraße wurde gesperrt.

Rauchschwaden ziehen durch einen Wald bei Falkenberg/Elster im Süden Brandenburgs. Bild: dpa

Brandbereich teilweise mit Munition beladen

Das Brandgebiet ist teilweise mit Munition kontaminiert, daher muss es aus der Luft gelöscht werden.

Infolge der Bodendetonationen seien neue Munitionsverdachtsgebiete entdeckt worden, die noch nicht auf Karten verzeichnet seien, berichtete Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU). Deshalb ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Einsatz. Einsatzkräfte können diese Bereiche nicht betreten und nur von außen und aus der Luft löschen.

Die vollständige Löschung des Großbrandes in Elbe-Elster soll laut Stübgen Wochen dauern.

Acht Feuerwehrleute wurden verletzt

Das Feuer hatte sich am Montag in kürzester Zeit ausgebreitet. Der Landkreis stufte den Brand als Großschadenslage ein. Eine Ferkelfarm brennt ab. Laut Stübgen könnten nach einer ersten konservativen Schätzung zwischen 1.000 und 2.000 Tiere gestorben sein.

Die Brandursache ist noch unklar, der Ort des Feuers ist jedoch bekannt, so der Minister. Es sei darauf hingewiesen, dass es an dieser Stelle in den letzten Wochen mehrmals zu kleinen Bränden gekommen ist. Genauere Schlussfolgerungen gibt es nicht.

Katastrophenalarm für Bad Schandau

Bei dem Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz hat der betroffene Landkreis einen Katastrophenalarm für Bad Schandau ausgelöst. Laut dem Sprecher des Landratsamtes stieg die Zahl der Einsatzstellen rund um den Großen Winterberg von drei auf fünf. Über den genauen Brandbereich in der unpassierbaren Zone konnte er keine Angaben machen.

Derzeit sind 254 Feuerwehren und Polizeien des Bundes und der Länder im Einsatz. Außerdem stehen zwei Wasserwerfer mit je 10.000 Liter Fassungsvermögen und zwei Helikopter zur Brandbekämpfung bereit. Die Wasserversorgung erfolgt beispielsweise aus der Elbe. Auch vier Hubschrauber der Bundeswehr sollten Unterstützung leisten.

Das Feuer breitete sich am Montag vom Nationalpark Böhmische Schweiz bis nach Tschechien aus. Touristen seien aufgefordert, den hinteren Bereich der Sächsischen Schweiz zu meiden, da dort Gefahr für Leib und Leben bestehe, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz und Osterzgebirge mit. Bereits am Montag hielten sich in Bad Schandau 70 Kinder auf, die in einem Ferienlager in Ceska Kamenice waren. Tagsüber können sie auf ihr Land zurückkehren.

Inzwischen hat sich die Situation in Tschechien dramatisch verschlechtert. Mehr als 400 Feuerwehrleute kämpften auf tschechischer Seite gegen die Flammen, sagte ein Sprecher. Sie wurden von Polizei- und Armeehubschraubern unterstützt.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *