Elizabeth II. bestieg vor 70 Jahren den Thron und wird für ihre zuverlässige Leistung im Amt hoch gelobt. Im Trubel der Feierlichkeiten wird aber vieles, was schief gelaufen ist, sehr gut aufgeweicht und eingefärbt.
Es ist ein Jahrhundertereignis, das sich derzeit in London abspielt: Seit 70 Jahren und 116 Tagen sitzt Queen Elizabeth II. auf dem Thron und regiert das Vereinigte Königreich – und auch über 14 weitere Commonwealth-Staaten.
Der Monarch hat Premierminister kommen und gehen sehen, hat den Zusammenbruch des britischen Empire miterlebt und zahlreiche nationale Krisen überstanden. Elizabeth stellte ihre Pflichten als Königin über alles andere und erfüllte sie mit beispielloser Zuverlässigkeit. Zweifellos hat die 96-Jährige ihren Dienst an der Nation stets ernst genommen und erfüllt. Kaum jemand hat so viel Widerstand wie sie.
Bei den Dramen, die sich in ihrer eigenen Familie abspielten, agierte die Queen allerdings weniger selbstbewusst. Auch in königlichen Familien kommt es zu Trennungen, und die Windsors sind da keine Ausnahme, obwohl die Queen selbst 73 Jahre mit dem im Vorjahr verstorbenen Prinz Philip verheiratet war und ihn als ihren wichtigsten Vertrauten bezeichnete. Aber das öffentliche Bekunden von Empathie, etwa nach Dianas Tod, oder das Eingeständnis von Fehlern tauchen nicht im Katalog der königlichen Tugenden auf. Im Sexskandal um seinen zweitältesten Sohn, Prinz Andrew, hat er viele Jahre gar nicht gehandelt. Erst als die Vorwürfe nicht länger ignoriert werden konnten, handelte er und entließ Andrew von allen offiziellen Aufgaben.
Der Monarch mag viel für sein Land und für das Ansehen der Monarchie getan haben. Im Trubel der Geburtstagsfeiern wird aber vieles, was schief gelaufen ist, sehr gut aufgeweicht und eingefärbt.