Affenpocken
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch der Affenpocken in mehr als 50 Ländern zu einem „Notfall von internationaler Bedeutung“ erklärt. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Samstag in Genf die höchste Alarmstufe, die im Falle einer Gesundheitsbedrohung verhängt werden kann. Dies hat jedoch keine praktischen Konsequenzen.
23.07.2022 16.52
Online seit heute, 16:52
Die Einstufung soll die Regierungen der Mitgliedsländer ermutigen, Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs zu ergreifen. Sie sollen Ärzte und Kliniken sensibilisieren, bei Verdachtsfällen Schutzmaßnahmen ergreifen und die Bevölkerung darüber aufklären, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen kann.
Bisher 99 Fälle in Österreich
Tedros nannte die Zahl von mehr als 16.000 bestätigten Fällen in mehr als 60 Ländern, von denen viele zuvor praktisch keine Fälle von Affenpocken hatten. Es gab mehr als 240 Fälle in sechs afrikanischen Ländern, in denen das Virus zuvor Menschen infiziert hatte. In Österreich hat die AGES bisher (Stand Freitag) 99 Fälle gemeldet.
Zuvor hatte sich ein Gremium unabhängiger Experten über eine gemeinsame Empfehlung zur Ausrufung des Notstands geeinigt. Die englische Abkürzung für Notfall ist PHEIC. Das steht für „Public Health Emergency of International Concern“.
Auch die WHO hat den Ausbruch des Coronavirus Sars-CoV-2 am 30. Januar 2020 zum Notfall erklärt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Menschen jetzt auf die gleichen Maßnahmen für die Affenpocken einstellen müssen wie für die Coronavirus Pandemie.
Ansteckung durch engen Körperkontakt
Während sich das Coronavirus über Aerosole verbreitet, die virale Partikel enthalten, die Infizierte beim Atmen, Sprechen oder Husten ausstoßen, kommt es nach heutigem Wissensstand zu einer Ansteckung mit Affenpocken meist durch engen Körperkontakt.
Je nach Erkrankung richtet die WHO Notfallkomitees ein, die sich aus unterschiedlichen Experten zusammensetzen. Neben dem internationalen Notfall für CoV gibt es seit 2020 auch einen Notfall für Poliomyelitis-Ausbrüche (seit 2014).
Frühere Notfälle waren Ausbrüche der H1N1-Schweinegrippe (2010), des Zika-Virus (2016) und von Ebola (2014 bis 2016 und 2019). Die WHO hat damals auch Notfallkomitees für Mers-CoV (2013-2015) und Gelbfieber (2016) einberufen. Die konsultierten Experten kamen jedoch nicht zu dem Schluss, dass ein Notfall von internationaler Tragweite ausgerufen werden sollte.