Die Wirtschaft beginnt zu schwächeln, wenn die Inflation steigt

Wifo und IHS rechnen für dieses Jahr nun mit einem BIP-Wachstum von 4,3 bzw. 3,8 Prozent nach 3,9 bzw. 3,6 Prozent im März. Die Anhebung der Prognose ist vor allem auf eine Revision der Daten für 2021, also den Vergleichswert des Vorjahres, zurückzuführen, wie das Wifo feststellt. Institute beurteilen das zweite Quartal unterschiedlich: Das Wifo verzeichnet weiterhin deutliche Zuwächse, das IHS stagniert. Für den späteren Jahresverlauf wird jedenfalls wie im Rest der Welt nur noch ein leichtes Wachstum erwartet. Für 2023 reduzierten die Institute ihre Prognosen auf 1,6 / 1,4 Prozent und damit sehr deutlich. Im März hatten sie noch mit einem Wachstum von 2,0 / 2,3 Prozent gerechnet.

Ursachen sind die strengere Geldpolitik der Zentralbanken, eine anhaltendere Inflation, anhaltende Lieferkettenprobleme und andere Folgen des Krieges in der Ukraine. Beide Institute weisen auf die ungewöhnlich hohe Unsicherheit in der aktuellen Prognose hin, vor allem aufgrund einer möglichen Einstellung der Gaslieferungen durch Russland, die in beiden nicht enthalten ist.

Schlechte Nachrichten gibt es bei der Inflation: Laut Wifo dürften die Verbraucherpreise (VPI) in diesem Jahr statt um 5,8 Prozent nun um 7,8 Prozent steigen und laut IHS um 7,4 Prozent statt um 5,5 Prozent. 2023 wird die Inflationsrate mit 5,3 Prozent (Wifo) bzw. 4,7 Prozent (IHS) zwei Prozentpunkte höher bleiben als im März erwartet. Das massive Hilfspaket der Regierung zur Abmilderung der Auswirkungen der Inflation „wird die Preisinflation fördern“, wie das Wifo sagt.

Bei der Arbeitslosigkeit sind sich beide Institute einig: Sie dürfte in diesem Jahr auf 6,3 Prozent sinken und 2023 auf diesem Niveau stagnieren. Allerdings werden die Realeinkommen in diesem Jahr angesichts der hohen Inflation sinken, das Wifo geht von einem Rückgang der Bruttoreallöhne pro Kopf aus von 3,9 Prozent. Allerdings wird der private Konsum in diesem Jahr kräftig zulegen und die Konjunktur ankurbeln. Dazu tragen eine reduzierte Sparquote und die expansive Fiskalpolitik des Staates bei, also Geldregen. Andererseits dürfte die hohe Unsicherheit dazu beitragen, die Investitionen zu reduzieren.

Das Haushaltsdefizit wird weiter zurückgehen, aber nicht so schnell wie vor drei Monaten erwartet. Laut Wifo/IHS soll die Neuverschuldung in diesem Jahr bei 3,0/3,8 % liegen, nicht bei 2,4/2,3 %. Für 2023 erwarten die beiden Institute nun ein Defizit von 1,2 bzw. 1,9 Prozent.

Das Wifo stellt fest, dass die Branche bereits in diesem Jahr die Auswirkungen des weltweiten Wirtschaftsabschwungs zu spüren bekommt, während der Tourismus nach dem schwierigen Jahr Krone 2021 deutlich überdurchschnittlich wachsen wird. Treibhausgasemissionen (gemessen in Äquivalenten CO2) dürften fällig werden auf die Verlangsamung der Industrietätigkeit, schreibt das Wifo, 1,8 % in diesem Jahr und 1,1 % mehr im Jahr 2023.

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