Die Zulassungsfrist läuft ab: Der Boeing-Chef erwägt den Abgang der 737 Max 10
07.08.2022 03:23
Boeing-Chef Dave Calhoun debattiert über das Aus der 737 Max 10. Die längste Version der in der Krise steckenden Modellreihe ist noch nicht zugelassen und dem Flugzeugbauer läuft die Zeit davon.
Dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing droht mit seiner wichtigen Serie von 737-Max-Modellen eine neue Krise. Die bisher größte Version der Baureihe, die 737 Max 10, hat noch keine US-Regulierungszulassung erhalten und soll bis Ende des Jahres zertifiziert werden. Ohne eine Einigung mit dem Kongress könnte Boeing gezwungen sein, die 737 Max 10 auszusetzen, sagte CEO Dave Calhoun gegenüber Aviation Week. Für den Airbus-Rivalen wäre das Ende des Jets ein herber Rückschlag: Die Fluggesellschaften haben bereits mehr als 600 Exemplare bestellt.
Hintergrund des Konflikts mit dem US-Kongress sind neue Vorsorge- und Sicherheitsvorschriften nach zwei Flugzeugabstürzen des Typs 737 Max, bei denen in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen. Ursache des Unglücks war eine fehlerhafte Steuerungssoftware. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA hob das Startverbot für die Serie im November 2020 nach Boeing-Reparaturen auf. Doch die 737 Max 10, die neueste und längste Version der Modellreihe, ist noch nicht zertifiziert. Boeing muss die Maschinen erneuern. Doch dem Hersteller läuft die Zeit davon. Ob der US-Kongress Boeing nach dem ersten Debakel der 737 Max erneut zu Gast hat, ist unklar.
Die Sanierung wird teuer
Fest steht: Auch das sind Arbeitsplätze und Investitionen. Mit der öffentlichen Überlegung, die 737 Max 10 zurückzuziehen, verringert Calhoun nicht den Druck auf die Politik. Das Hauptproblem ist, ob Boeings Konkurrent zum Airbus-Bestseller A321neo die neuesten Sicherheitsanforderungen erfüllt. Sollten die US-Aufsichtsbehörden der 737 Max 10 bis Ende des Jahres nicht helfen oder einen Aufschub gewähren, droht Boeing aufgrund einer Gesetzesänderung die kostspielige Einführung eines komplett neuen Cockpit-Warnsystems im Jahr 2020.
Gleichzeitig machte Calhoun deutlich, dass er nach wie vor volles Vertrauen in die 737 Max 10 habe: „Wir glauben an dieses Flugzeug, Punkt.“ Auch eine Boeing-Sprecherin betonte auf Nachfrage, dass das Unternehmen noch um die Zulassung bemüht sei. “Wie wir bereits gesagt haben, arbeiten wir transparent mit der FAA zusammen, um die notwendigen Informationen bereitzustellen.” Boeing fühlt sich verpflichtet, die Erwartungen der Luftfahrtbehörde und auch die seiner Kunden zu erfüllen, um die 737 Max 10 zertifizieren zu lassen und letztlich ausliefern zu können.