Regisseur Dieter Wedel ist tot, wie das Landgericht München I bestätigte.
Bekannt wurde Dieter Wedel in den 1970er Jahren als Regisseur von alltäglichen Fernsehfilmen, zunächst vor allem für den Norddeutschen Rundfunk. Seine Geschichten über die Familie Semmeling, deren Leben er in mehreren Filmen erzählte, waren satirische Reflexionen über die Normalität in der Bundesrepublik Deutschland. In den siebziger Jahren drehte er sich bei „Once in a Lifetime“ um den Hausbau und bei „Every Year Again“ um eine Urlaubsreise mit der Familie. 2002 setzte Wedel seine legendären Geschichten im ZDF mit der sechsteiligen Serie „Die Semmeling-Affäre“ fort. Es konnte jedoch nicht an den großen Erfolg der Vergangenheit angeknüpft werden.
Besonderes Aufsehen erregte Wedel in den 1990er-Jahren mit zwei Fernseh-Miniserien mit Mario Adorf in der Hauptrolle: „Der Große Bellheim“, in dem Adorf einen Hotelmanager spielt, der sich mit dem eigenen Älterwerden auseinandersetzen muss, war die teuerste Produktion in der Geschichte des deutschen Fernsehens die Zeit. . In „Der Schattenmann“ spielte Adorf einen kriminellen und mafiösen Immobilienmakler im Frankfurter Rotlichtviertel. Wedel arbeitete bis 2010 für das Fernsehen und drehte mit Stars wie Veronica Ferres und Ulrich Tukur. Auch in großen deutschen Theatern wie dem Thalia Theater in Hamburg spielte er immer wieder Theaterstücke.
Ab 2003 war Dieter Wedel Intendant der Wormser Theatertage, von 2014 bis 2018 auch bei den Bad Hersfelder Festspielen. Im Zuge der internationalen „Me Too“-Enthüllungen Anfang 2018 gingen mehrere Schauspielerinnen mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung, Demütigung und Vergewaltigung gegen Wedel an die Öffentlichkeit. Mehrere öffentlich-rechtliche Sender haben ihre Zusammenarbeit mit Wedel rückblickend geprüft.
Im März 2021 erstattete die Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen angeblicher Vergewaltigung der damaligen Schauspielerin Jany Tempel, 27, im Jahr 1996. Auch andere Frauen hatten sich an die Öffentlichkeit zu Wedels gewalttätigen Übergriffen gewandt. Wedel bestritt die Vorwürfe bis zuletzt.
Dort soll am Mittwoch entschieden werden, ob die Anklage gegen ihn wegen der Vergewaltigungsanzeige zugelassen wird.