Dolomiten-Gletscherbruch „Unvorhersehbares Ereignis“

Der Oberstaatsanwalt sieht keine Anzeichen von Fahrlässigkeit. “Man muss über die Begehung aus Klugheit und Kenntnis der Bedingungen der Routen nachdenken”, sagt der italienische Bergführerverband.

Nach der Gletscherlawine in den Dolomiten mit sieben Toten und fünf Vermissten schloss Trentos Oberstaatsanwalt Sandro Raimondi Fahrlässigkeit als Ursache der Tragödie aus. Der Gletschereinbruch sei ein “unvorhersehbares Ereignis”, sagte Raimondi am Dienstagabend in einem Interview mit Rai 3. Das geht aus den ersten Untersuchungen hervor. Die Staatsanwaltschaft reagierte indirekt auf Beschwerden einiger Angehöriger der Opfer.

Da am Sonntag laut Angehörigen die Lawinengefahr hoch war, hätte der Zugang zum Berg wegen der hohen Temperaturen gesperrt werden müssen. In der Marmolada de la Glacera-Hütte seien nun Überwachungsgeräte installiert worden, die kleinste Veränderungen in der Gletscherfront – sowohl gebrochen als auch intakt – erkennen können, erklärte der Experte Marco Gaddo. Die von den Instrumenten gesammelten Daten werden zur Analyse und Verarbeitung an ein Kontrollzentrum gesendet.

“Der Gletscherbruch war ein außergewöhnliches, ja einzigartiges Ereignis, wie viele Experten bestätigen. Es waren auch Bergführer auf dem Gletscher und damit Leute, die den Berg sehr gut kannten”, sagte der Gouverneur des Trentino, Maurizio Fugatti.

Es braucht mehr Voraussicht

Nach dem tödlichen Gletschersturz in den Dolomiten fordert der italienische Bergführerverband mehr Weitsicht bei der Benützung von Wanderwegen. „Man muss aus der Vorsorge und Kenntnis der Gegebenheiten der Reiserouten über eine Frequentierung nachdenken“, sagte die Sprecherin des Guide Alpine Italiane, Sara Sottocornola, der Deutschen Presse-Agentur.

Alpine Bergführer reagieren schon lange auf Bergveränderungen und suchen nach Alternativrouten. Jetzt auf den Besuch des Berges zu verzichten macht keinen Sinn.

“Wer in die Berge will, muss umdenken”

Am Sonntag brach eine Masse aus Eis, Schnee und Geröll vom Berg Marmolada an der Grenze zwischen dem Trentino und der Region Venetien, stürzte das Tal hinab und begrub mehrere Bergsteiger. Die Behörden bestätigten am Dienstagabend sieben Tote und acht Verletzte, darunter zwei Deutsche. Fünf vermisste Italiener wurden noch gesucht. Der Gletscherbruch ist Experten zufolge eine Folge des Klimawandels, der zu einem Temperaturanstieg führt.

Ein Vorfall wie dieser sei sehr selten und unmöglich vorherzusagen, erklärte Sottocornola. Der hohe Berg verändert sich seit mindestens 20 Jahren. Bis vor 30 Jahren war die Saison noch sehr zuverlässig, heute ist das nicht mehr so. Jede Wanderroute sollte je nach Jahreszeit und Witterung studiert werden. „Wer weiter in die Berge will, muss seinen Weg überdenken und die Bedingungen zu Hause sorgfältig planen, bevor er aufbricht“, sagt Sottocornola.

(APA/dpa)

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