Stand: 13.06.2022 15:42 Uhr
Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes gibt es derzeit weniger Blutspender als sonst, so wenige, dass mittlerweile bundesweit eine „kritische Versorgungslage“ herrscht. Nun bittet das DRK erneut um Spenden.
Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt, rief die Menschen in Deutschland wegen Mangel an Blut eindringlich zum Blutspenden auf. Nach Angaben des DRK sorgen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, hohe Temperaturen, Feiertage und ein großes Reiseaufkommen seit Wochen für einen Rückgang der Spendenbereitschaft und mittlerweile bundesweit für eine kritische Versorgungslage. “Ein Notfall muss unter allen Umständen vermieden werden”, sagte Hasselfeldt.
Mehr Bedarf wegen verschobener Operationen
Gleichzeitig würden die in der Hochphase der Pandemie verschobenen Operationen und Behandlungen kompensiert, so Hasselfeldt. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), Hubert Schrezenmeier, erklärte, dass neben den zu kompensierenden Operationen die Rückkehr vieler Freizeitsportler immer mehr Unfälle und einen höheren Versorgungsbedarf mit sich bringe Blut. .
“Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt”
„Wir befinden uns derzeit in einer kritischen Situation, weil wir einen sehr hohen Blutbedarf in den Kliniken haben“, sagte Patric Nohe, Sprecher der Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes. Zudem konnten viele bisherige Spender nicht erreicht werden. „Wenn Sie also noch nie Blut gespendet haben, wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür“, sagte Nohe.
Mit der bundesweiten Aktion „#missingtype – nur bei Vermissten melden“ machen die Blutspendedienste des DRK auf die dringende Notwendigkeit der Blutspende aufmerksam. Ziel ist es, neue Spender zu begeistern, erstmals Blut zu spenden und dann dauerhaft als Rettungsschwimmer aktiv zu bleiben.
Nur 3,5 Prozent der Deutschen sind Frauen
Nach Angaben des DRK spenden nur 3,5 Prozent der Menschen in Deutschland Blut. Andererseits ist statistisch gesehen jeder dritte Deutsche mindestens einmal in seinem Leben auf ein Blutprodukt angewiesen.
Ähnliche Zahlen liefert auch eine repräsentative Studie des Versicherungsunternehmens „Clark“ in Zusammenarbeit mit „YouGov“: Demnach hat jeder Fünfte in Deutschland bereits Blut gespendet (20 Prozent). Allerdings sollen dies nur sechs Prozent regelmäßig tun. Einer der wichtigsten Gründe für eine Blutspende ist laut Studie der Wunsch, der Allgemeinheit zu helfen (48 %) oder Organisationen wie die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu unterstützen (28 %). Finanzielle Anreize spielen nur für 18 % der Spender eine Rolle.
Es ist schwierig, neue Spender zu finden
Auch unter denjenigen, die bisher noch kein Blut gespendet haben, gibt es der Studie zufolge mindestens ein Grundinteresse: 19 Prozent der Befragten könnten sich grundsätzlich vorstellen, Blut zu spenden. Dies gilt insbesondere für junge Menschen im Alter von 18 bis 34 Jahren (25 %). Bei Menschen ab 55 Jahren liegt die Bereitschaft, erstmals Blut zu spenden, bei nur 14 Prozent. Andererseits hat laut Studie fast ein Fünftel der Menschen in Deutschland (18 %) noch nie Blut gespendet und kann sich dies auch in Zukunft nicht vorstellen.
Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Blutspendebereitschaft ist nach wie vor spürbar: Fünf Prozent der Befragten gaben an, vor der Pandemie Blut gespendet zu haben, seither aber nicht mehr. In Deutschland werden täglich etwa 15.000 Blutspenden benötigt, um Kranken und Verletzten zu helfen.
Betroffener DRK-Blutspendedienst
Lars Faulenbach, WDR, 13.6.2022 14:19 Uhr