Drohende Engpässe: “Energienotfallplan funktioniert nicht” – Schweizer Ex-Chef kritisiert Bundesrat

Gepostet am 7. Juli 2022, 10:35 Uhr

Länder auf der ganzen Welt bereiten sich angesichts des andauernden Krieges auf Energieknappheit vor. Laut André Dosé wird der Ernst der Lage in der Schweiz derzeit unterschätzt.

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Laut André Dosé, 2012 noch hier als Präsident von GC, unterschätzt die Schweiz das drohende Energieproblem.

Tamedia

Dosé ist Präsident von Swissgas und des Gasnetzes Mittelland.

Mathis schlagen

Es ist hart mit dem Bundesrat. Die Energiestrategie 2050 ist nicht durchdacht genug.

20min / Matthias Spicher

Die Welt bereitet sich auf den Mangel an Gaslieferungen aus Russland vor. Während beispielsweise Japan den Wiederanlauf mehrerer abgeschalteter Atomkraftwerke ankündigte, muss Deutschland zur Überbrückung der Energielücke auf Kohle zurückgreifen. Uniper, der weltgrößte Gasversorger, hat den Staat kürzlich wegen Liquiditätsproblemen um Stabilisierungsmaßnahmen gebeten. Doch wie weit ist die Schweiz wirklich auf eine drohende Energieknappheit im Winter vorbereitet? Das ist nicht gut, sagt André Dosé.

„Prioritäten setzen statt Gremien bilden“

In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erstellt der ehemalige Schweizer Chef, der heute Präsident der Swissgas und des Gasnetzes Mittelland ist, ein düsteres Lagebild und demontiert den vom Bundesrat entwickelten Notfallplan für Gas und Strom. „Das Problem ist, dass man die Krise nicht sehen will. Wenn es dann unvermeidlich ist, ist man zu langsam“, sagt Dosé. Statt Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen, wurde ein Krisenstab mit mehr als zwanzig Personen gebildet, darunter sogar ein Verbraucherschützer. in der alle Entscheidungen von möglichst viel Politik und Bevölkerung mitgetragen werden müssen, wird nicht funktionieren.

Denn laut Dosé ist die Lage ernst. Aktuell mehren sich die Anzeichen, dass die Nord Stream 1-Pipeline nach der Juli-Wartung kein russisches Gas mehr nach Europa liefern wird. Daher könnte in den kommenden Tagen eine Gasknappheit in Deutschland ausgerufen werden; Auch die Schweiz ist vor diesen Gefahren nicht gefeit. „Wir sind das ganze Jahr über auf Gasimporte und im Winter auf Strom angewiesen, und das aus eigener Kraft“, sagt André Dosé. Denn laut dem Krisenchef, der zeitweise auch Präsident des Grasshoppers Club in Zürich war, sei die vom Bundesrat entwickelte Energiestrategie 2050 nicht ausreichend durchdacht. „Die Hypothese war, dass die Bevölkerung nicht wächst und die bestehende Bevölkerung weniger Strom verbraucht als zuvor.“ Auch der Einzug der Elektromobilität wurde angesichts der Abstimmung ignoriert.

Unterdessen hat der Bundesrat konkrete Lösungen zur Lösung des Problems verloren. Dosé feiert den Ausbau der Photovoltaik als richtig und gut, aber selbst das reicht nicht für die Versorgung im Winter. Zudem hinkt die Schweiz bei der Bewältigung dieser Krise im europäischen Vergleich hinterher. Die Bundesregierung verhandelt derzeit mit Deutschland über ein Solidaritätsabkommen, das gegenseitige Unterstützung verspricht, falls einem der Länder das Gas ausgeht. Doch das kommt zu spät, und André Dosé glaubt, dass sich die Schweiz nicht allein auf die Solidarität der EU-Staaten verlassen kann.

Holländisches Gas als Lösung

Eine mögliche Gasquelle für die Schweiz sieht der Manager vor allem in Nordosteuropa. Neben Norwegen und anderen Ländern, die derzeit Flüssiggas zu horrenden Preisen verkaufen, gibt es auch in den Niederlanden große Gasreserven. Da jedoch während der Bohrungen leichte Erschütterungen auftraten, wurde der Abbau der wertvollen Ressource bisher gestoppt. „Aber Gas könnte dort schnell und in großen Mengen produziert werden, wenn auch gegen den Widerstand der lokalen Bevölkerung“, sagt Dosé.

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