Drohung droht: Russische Botschaft in Bern kritisiert NZZ wegen Clown Putin

Aktualisiert am 16. Juli 2022, 20:49 Uhr

Drohung droht: Russische Botschaft in Bern kritisiert NZZ wegen Clown Putin

Die “Neue Zürcher Zeitung” schrieb einen Artikel über die Verbreitung von Memes im Ukrainekrieg. Russland droht mit Klage, weil es ein Clown-Mem von Putin gepostet hat.

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Die NZZ hat dieses Meme aus dem Internet abgedruckt und damit den Zorn Russlands provoziert.

Bildschirmfoto / Twitter

Im selben Artikel sehen Sie ein Superhelden-Mem des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Bildschirmfoto / NZZ

Putins Ehre und Würde seien verletzt worden.

IMAGO / SNA

Am 9. Juli veröffentlichte die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) in ihrer Printausgabe ein Meme von Wladimir Putin, in dem der Kremlchef eine Clownsnase in der Farbe der LGBT-Bewegung trägt. Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, wird in derselben Veröffentlichung in einem Superhelden-Mem dargestellt. Die Bilder stammen aus dem Internet. Die russische Botschaft in Bern habe auf die Veröffentlichung der NZZ mit «extremer Empörung» reagiert, heisst es.

Der Autor des fraglichen Artikels wird von russischer Seite als “wenig bekannter junger Journalist” bezeichnet. Mit dem Meme-Artikel soll er sogar den Rest der NZZ-Autoren «übertroffen» haben, die «regelmässig Erfindungen und Beleidigungen gegen die schamlose und ungestrafte russische Führung verbreiteten». Laut russischer Botschaft entstehen die Memes in den „ukrainischen Trollfabriken“, seien lediglich „Nachdrucke von Archivbildern“ und zeichneten sich durch „einen flachen Humor“ aus.

Der Artikel hebt die Macht der Meme im ukrainischen Krieg hervor

Der Artikel „Between Superheroes and Villains: The Power of Memes in the Ukraine War“ beschreibt, wie Memes über den Ukrainekrieg als Propagandamittel eingesetzt werden. Der NZZ-Autor betont in seinem Text, dass Memes «häufig komplexe Prozesse vereinfachen». Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland zum Beispiel läuft auf einen Krieg zwischen Superhelden und Schurken hinaus.

Meme könnten zwar Themen einleiten, aber auch als Propagandamittel dienen. «Allerdings sieht die russische Bevölkerung die Memes der ukrainischen Seite nur in Ausnahmefällen», so die NZZ weiter. Der Artikel wirft die Frage auf, ob die Schaffung und Verbreitung von Memes durch Einzelpersonen oder die Diplomatie Krieg in der Zukunft beeinflussen könnte. In dem Artikel findet sich kein direkter Angriff auf den russischen Präsidenten.

Russland droht mit Klage

Doch mit der visuellen Reproduktion von Putins Clown-Mem aus dem Internet hat die NZZ Russlands Wut erregt. Der Zeitung droht eine Klage. Der russische Präsident soll seine Ehre und Würde verletzt haben. Das ist laut russischer Botschaft nicht mehr mit der Meinungsfreiheit vereinbar.

Dass der Kremlchef auch die Farben der LGBTQ-Bewegung ins Meme bringt, sorgt für zusätzliche Empörung. Putin ist ein zutiefst religiöser Mensch und tritt für die Bewahrung traditioneller christlicher Werte in der russischen Gesellschaft ein. „Offensichtlich mag der Westen das nicht, wo Ideen aus der LGBTQ-Community aktiv und energisch von der Schulbank aus gefördert werden“, fuhr die Botschaft fort.

Die Verbreitung sogenannter „Homosexuellenpropaganda“ ist in Russland verboten. Da das Gesetz sehr vage formuliert ist, kann sogar das Tragen eines Regenbogenhemdes als strafbare Handlung angesehen werden.

Anstatt Putin zu beleidigen, soll laut russischer Botschaft Wolodymyr Selenskyj “als Clown bezeichnet werden”. Vor seinem Amtsantritt als Präsident der Ukraine habe er «mit äusserst kontroversen Auftritten und übertriebener Vulgarität» auf sich aufmerksam gemacht, heisst es in dem Protestbrief an NZZ-Chefredakteur Eric Gujer. Bevor er Politiker wurde, war Selenski unter anderem als Komiker in der Unterhaltungsindustrie tätig.

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