Schwerer Sturm im Landkreis Augsburg
Auch im südlichen Landkreis Augsburg richteten die Unwetter Verwüstungen an. Der Sturm riss unzählige Bäume um und riss Strom- und Telefonleitungen ab. Die Keller waren wegen Starkregens voll, die Straßen überflutet. Nach Angaben der Polizeiinspektion Schwabmünchen prallte ein Ast in das Auto eines 28-jährigen Mädchens und verletzte sich am Arm.
Aus den eingegangenen Anrufen konnte die Polizei entnehmen, dass das Unwetter von Scherstetten über Konradshofen, Klimmach und dann westlich von Schwabmünchen nach Großaitingen zog. Da tat es am meisten weh. Die Höhe des entstandenen Gesamtschadens lässt sich nach Angaben des Landratsamtes noch nicht beziffern.
Der Bürgermeister von Großaitingen ist überrascht
Erwin Goßner, der Erste Bürgermeister von Großaitingen im Landkreis Augsburg, ist am nächsten Tag noch überrascht. „Kaum zu glauben: Alte, kräftige, gesunde Bäume werden einfach mitgerissen“, sagte er dem BR. „In anderen Gemeinden gab es nichts, es regnete fast nicht, und hier hat es uns wirklich mit voller Wucht getroffen“, sagt Gossner, der die Zerstörungen beschreibt, die der Sturm innerhalb weniger Minuten in seiner Gemeinde angerichtet hat.
“Man hört den Hagel, man schaut aus dem Fenster. Dann sieht man, man sieht nichts mehr”, sagt er. „Die Sonne hat sich verdunkelt, man kann nicht einmal die andere Straßenseite sehen.
Insgesamt 140 ortsansässige Freiwillige Feuerwehren und Feuerwehrleute aller Nachbargemeinden waren gestern bis spät in die Nacht unterwegs, um Straßen zu räumen und lose Fliesen zu verlegen. Der Sturm hatte Löcher in die Dächer mehrerer Häuser gerissen, der First der Nikolaikirche musste mit Hilfe eines Krans gesichert werden, weil sich dort die Dachplatten gelöst hatten.
Sturmböen richten Verwüstungen an
Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) dem BR erklärte, handelte es sich in Großaitingen nicht um einen Tornado, sondern um sogenannte Sturmböen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern können sie die Stärke des Orkans erreichen und entsprechende Verwüstungen anrichten. Stürme entstehen, wenn die kälteste Luft mit der höchsten Dichte zuerst auf den Boden und dann mit großer Wucht zu den Seiten fällt.
Umgestürzte Bäume und überflutete Keller in Niederbayern
Auch in Niederbayern wurden laut Polizei ein Dutzend umgestürzte Bäume gemeldet. Besonders betroffen war der südwestliche Landkreis Landshut, doch abgesehen von umgestürzten Bäumen, die teilweise die Straßen blockierten, und einigen überdachten Dächern sei es zu keinen größeren Schäden gekommen, teilte die Polizei mit. Nach Angaben der Einsatzzentrale wurde durch den Hagel ein Dachfenster zertrümmert.
Das Unwetter zog von Landshut in den Landkreis Rottal-Inn, wo laut DWD ebenfalls Warnstufe 4 galt und mehr als 50 Einsätze durchgeführt wurden, unter anderem wegen umgestürzter Bäume und überfluteter Keller. Zudem seien mehrere kleinere Bäche übergelaufen, teilte die Leitstelle mit. Auch hier wurde niemand verletzt.
Die Bahnstrecke Passau – Neumarkt-Sankt Veit wurde zeitweise gesperrt, weil Bäume auf den Gleisen standen.