Eckpfeiler der Modernisierung Mehr Aktionäre – die FDP will den Kapitalmarkt attraktiver machen
29.6.2022, 16:26
Etwa jeder sechste Deutsche ab 14 Jahren investiert in Aktien. Die FDP will mehr Aktionäre und den Kapitalmarkt modernisieren. Dadurch soll es für Startups einfacher werden, Geld zu verdienen und für Mitarbeiter eine größere Beteiligung am Unternehmenserfolg. Auch die Arbeitnehmer-Sparzulage soll steigen.
Die FDP-Bundesminister Christian Lindner (Finanzen) und Marco Buschmann (Justiz) wollen mit einem breiten Maßnahmenpaket Aktionen in Deutschland attraktiver machen. „Wir wollen eine Wertekultur in Deutschland stärken“, sagte Lindner in Berlin. “Werte sind nichts für Millionäre, Werte sind für Millionen.” Allerdings sollten dafür die Rahmenbedingungen verbessert werden. Für die Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und Beteiligungsfonds im Privatvermögen soll eine höhere Dotierung geschaffen werden.
FDP-Minister stellten Eckpunkte für die Modernisierung des Kapitalmarktes vor. Diese sind jedoch noch nicht in der aus SPD, Grünen und FDP gebildeten Bundesregierung vereint. Ziel sei die Umsetzung im nächsten Jahr, sagte Lindner.
Konkret planen Lindner und Buschmann, Start-ups einen leichteren Zugang zu Kapital zu ermöglichen. Sie will die steuerlichen Rahmenbedingungen für eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg verbessern. Die Dotierung zur Beteiligung am Kapital der Arbeitnehmer wird von derzeit 1.440 Euro auf 5.000 Euro erhöht. Es erhöht auch die Sparausstattung der Mitarbeiter, wenn kapitalschaffende Gewinne in Vermögensbeteiligungen investiert werden. Investitionen in Aktien und Vermögenswerte sollten steuerlich attraktiver werden, sagte Buschmann.
Die USA fördern Pensionspläne durch Aktionen
Im Vergleich zu angelsächsischen Ländern beispielsweise haben die Menschen in Deutschland relativ wenige Anteile. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts hatten im Jahresdurchschnitt 2021 fast 12,07 Millionen Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in ihrem Portfolio. Demnach waren 17,1 Prozent der Bevölkerung an der Börse investiert und damit etwa ein Sechstel der über 14-Jährigen. In anderen Industrieländern ist der Aktionärsanteil teilweise deutlich höher; in den USA beispielsweise fördert der Staat am stärksten die Altersvorsorge über den Kapitalmarkt.
Lindner und Buschmann betonten, dass Deutschland vor der enormen Aufgabe stehe, die digitale Transformation und den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu gestalten. Dies kann nur gelingen, wenn neben den umfangreichen öffentlichen Mitteln des Staates auch ausreichend privates Kapital mobilisiert werden kann. Dazu muss der Kapitalmarkt effizienter und der deutsche Finanzplatz attraktiver werden. „Der Kapitalmarkt ist der Motor des Wandels“, sagte Finanzminister Lindner. Wesentliche Punkte sehen auch die Möglichkeit vor, Aktien als elektronische Wertpapiere auszugeben. „Künftig werden wir auch das digitale Zeitalter ins Spiel kommen lassen“, sagte Bundesjustizministerin Buschmann.
Der Bankenverband ist begeistert
Das Institut begrüßte die Initiative. „Wir müssen unseren Unternehmen dringend mehr Kapital zur Verfügung stellen, damit sie Lösungen für Herausforderungen wie Digitalisierung und Klimawandel finden können“, sagt Institutsleiterin Christine Bortenlänger. Lob erhielten sie auch vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). „Deutschland steht vor einem Jahrzehnt der Investitionen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, brauchen wir privates Kapital und einen starken Finanzmarkt“, sagte BdB-Geschäftsführer Christian Ossig. „Neben den nationalen Rahmenbedingungen ist und bleibt die Europäische Kapitalmarktunion entscheidend für einen wettbewerbsfähigen Finanzmarkt. Deutschland muss hier vorangehen.“
Die Union der Kapitalmärkte besteht im Wesentlichen darin, bürokratische Hürden zwischen den verschiedenen Staaten der Europäischen Union abzubauen, um Unternehmen mehr Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung zu geben. Die Verbraucher sollten auch mehr Möglichkeiten für grenzüberschreitende Investitionen haben. Kredite und Finanzierungen werden in Europa – anders als in den USA – hauptsächlich von Banken bereitgestellt. Seit September 2015 liegen die Pläne der EU-Kommission für eine Kapitalmarktunion auf dem Tisch, doch ihre Umsetzung stockt.