Ehemaliger AfD-Chef Meuthen tritt Mitte-Rechts-Partei bei

Die Zentrumspartei kennen die meisten nur aus dem Geschichtsunterricht. Zwischen den beiden Weltkriegen spielte sie eine wichtige Rolle im Deutschen Reich und schließlich, als die Demokratie immer mehr erodierte, eine verhängnisvolle Rolle. Kürzlich kam er in einer Frage zu “Wer wird Millionär” aus der Vergessenheit. „Welche Partei, die der Kanzler in der Weimarer Republik mehrfach gestellt hat, ist seit Januar nach Vollendung des 65. Lebensjahres wieder im Bundestag vertreten?“, fragte Günther Jauch seinen Kandidaten. Die richtige Antwort: das Zentrum.

Der Bundestagsabgeordnete Uwe Witt, von 2013 bis 2021 in der AfD, dann einige Monate fraktionslos, trat Anfang dieses Jahres der CSD bei. Nun hat es ein weiterer viel prominenter ehemaliger AfD-Mitglied getan, berichtet das ZDF: der frühere AfD-Chef Jörg Meuthen.

Meuthens Rolle ist völlig offen

„Ich freue mich sehr auf den Job, weil ich einige wirklich interessante Menschen kennengelernt habe, die auch zu meinem Weltbild passen. Das war zuletzt bei der AfD nicht so“, sagte Meuthen dem Sender.

Er ist erst seit wenigen Tagen Mitglied des Zentrums. Welche Rolle er in der neuen Partei spielen soll, ist unklar. Er wird zunächst einfaches Mitglied sein. „Wenn es später um Führungsaufgaben geht, übernehme ich diese natürlich gerne“, sagte der ehemalige AfD-Politiker im ZDF-Bericht. Er bleibt im Europäischen Parlament in Straßburg.

Meuthen trat als AfD-Chef zurück und verließ die Partei im Januar nach monatelangen parteiinternen Machtkämpfen. Er reiht sich in die Liste ehemaliger Parteivorsitzender wie Bernd Lucke und Frauke Petry ein, die den Rechtsruck der Partei nicht mehr mittragen wollten. Lucke und Petry engagierten sich später auch auf anderen Partys, aber ohne Erfolg.

Das Zentrum hat bundesweit nur 500 Mitglieder, es gibt vier Landesverbände und fast ein Dutzend Städte- oder Gemeindeverbände, etwa in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Vor ein paar Jahren verbreitete die Zentrumspartei die Nachricht mit einer Anti-Abtreibungsbroschüre, die zerstückelte Föten zeigte. Es gibt weder ein Basisprogramm im Netz noch Statements zu aktuellen politischen Themen. Zuletzt kandidierte er bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai dieses Jahres und erhielt 0,06 % der Stimmen. Liest man die Pressemitteilung zum damaligen Wahlprogramm, gibt es einige Hinweise auf ein wirtschaftsliberal-konservatives Profil. Meuthen sagte dem ZDF, dass Kampagnen wie das Anti-Abtreibungs-Flugblatt der Vergangenheit angehörten. Die Partei mit christlichem Profil passt zu ihm, weil er ein religiöser Mensch ist.

“Es hat eine sehr, sehr lange Geschichte”

Und die Sorge, dass der Beitritt zur Mitte in die politische Bedeutungslosigkeit gerät, schiebt er beiseite: „Sie hat eine sehr, sehr lange Geschichte, aber eigentlich ist sie in den letzten Jahrzehnten unterdrückt worden und jetzt ist sie eine kleine Partei, man kann auch sagen die kleinste Partei. Aber es ist eine sehr, sehr gute Partei mit einer sehr, sehr klaren Wertebasis.“

Das klingt, unwillkürlich sicher, nach den Sätzen eines Straßburger Parlamentskollegen von Meuthen, nämlich Martin Sonneborn, Chef der Satirepartei „Die PARTEI“. Einer seiner Slogans lautet: “Elect Die PARTEI. It’s great.”

Anmerkung: Eine frühere Version des Artikels besagte, dass die Zentrumspartei Anfang 2022 300 Mitglieder hatte. Nach Angaben des Schatzmeisters ist die Zahl seitdem jedoch auf etwas mehr als 500 gestiegen.

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