Gepostet am 26. Mai 2022, 2:03 Uhr
Der in Genf zurückgetretene russische Diplomat Boris Bondarev kann nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. Ihre Chancen auf Asyl in der Schweiz stehen gut.
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Nach seinem Rücktritt und der Abrechnung mit der russischen Führung steht Boris Bondarev (41) vor einer ungewissen Zukunft.
Facebook / Boris Bondarew
Bondarev arbeitete für die russische Mission bei den Vereinten Nationen in Genf.
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Nach Kritik an Wladimir Putin (Linke) und Außenminister Lawrow trat er am Montag zurück.
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Der große russische Diplomat Boris Bondarev hat den russischen Angriff auf die Ukraine öffentlich als Krieg bezeichnet und sich gegen Wladimir Putin ausgesprochen: Er könne dafür seine Freiheit oder sogar sein Leben verlieren. Der 41-Jährige vertrat sein Land viele Jahre als Diplomat, zuletzt bei den Vereinten Nationen in Genf.
Er trat am Montag aus Protest gegen den Krieg in der Ukraine zurück. “Ich schäme mich. Der Krieg gegen die Ukraine ist ein Verbrechen”, sagte er. Als er öffentlich auf LinkedIn und Facebook sprach, erregte sein Fall die Aufmerksamkeit der Welt. Deshalb kann er nicht zurück nach Russland. In einem Interview sagte er, er wisse, dass das, was er sage, als Verbrechen gewertet würde.
Polizeischutz für zwei Monate
In Genf wird Bondarev rund um die Uhr von Schweizer Polizisten beschützt. In diese Fälle sind laut Tages-Anzeiger der Bundessicherheitsdienst und die Kantonspolizei involviert. Der Bundessicherheitsdienst, eine Dienststelle des Fedpol, ist für die Sicherheit von Bundesratsmitgliedern und weiteren Amtsträgern zuständig. Er ist aber auch für den Schutz ausländischer Diplomaten zuständig.
Zwar werde Bondarev nun seinen Diplomatenstatus verlieren, die Schweiz werde ihn aber weiterhin schützen, antwortete Fedpol auf die Frage der Zeitung. Nach Abschluss der Aktivität wird eine Kulanzfrist von etwa zwei Monaten gewährt.
Gute Asylmöglichkeit
Die Chancen, dass die Schweiz Bondarev als Asylsuchenden aufnimmt, stehen gut. Politisch exponierten Personen wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Asyl gewährt, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. In der Schweiz wurde beispielsweise 2020 ein bedrohter russischer Fernsehjournalist aufgenommen. Auch hochrangige türkische Botschaftsangehörige, die nach dem Putsch 2017 in der Türkei Asyl in der Schweiz suchten, wurden geschützt.
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(chk)