So schreibt Filatiev, dass er wegen seines Vaters fast seine ganze Kindheit bis zum Alter von 15 Jahren in der Einheit verbracht habe. „Jetzt, 17 Jahre später, hat die Luftfahrt nichts mehr mit der Vergangenheit gemein. Die Menschen haben sich verändert, der Glanz ist verflogen, nur der Name bleibt.“
Besonders auffallend ist Filatievs Beschreibung der Kontraste zwischen Vertragssoldaten und bloßen Wehrpflichtigen. „Ein 21-Jähriger, der von der Militärakademie als Oberleutnant zur Armee kommt, muss durch 100 höllische Kreise aus Bürokratie, Chaos und Erniedrigung gehen, um ein Unternehmen zu leiten“, sagt Filatiev. “Das alles noch einmal, um ein Bataillon zu führen und so weiter. Deshalb gehen die meisten Offiziere irgendwann.”
Wenn Sie die Spitze erreicht haben, riskieren Sie nicht Ihre hart erarbeitete Position, indem Sie das System kritisieren. „Unter solchen Bedingungen kann man kein starkes und eingespieltes Team aufbauen“, schreibt Filatiev. Deshalb würden tüchtige Leute lieber zu Wagners Söldnertruppe gehen.
“Korruption wurde unter Schoigu viel schlimmer”
Der Militärhistoriker Chris Owen hat Filatievs Bericht genau studiert und führt die von ihm beschriebenen Missbräuche auf überfällige Reformen zurück. Zwischen 2007 und 2012 setzte der damalige Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow weitreichende Reformen durch, allen voran den Übergang von einer Wehrpflichtarmee zu einer Vertragsarmee.
2012 entließ der russische Präsident Wladimir Putin den Verteidigungsminister. Sein Nachfolger wurde der immer noch amtierende Sergei Shoigu. „Unter Shoigu wurde die Korruption im Militär viel schlimmer“, schrieb Owen auf Twitter.
Pavel Filatiev beschreibt die Folgen der gescheiterten Reformen so: „Das System der Militärschulen und Hauptoffiziere ist obsolet geworden. Offiziere lernen immer noch, eine Armee von Wehrpflichtigen zu befehligen und nicht von Berufssoldaten, die oft viel größer sind als sie.“ Er attestierte dem Militär „schreckliche Korruption, Chaos, moralische Verderbtheit und technologische Rückständigkeit“.