„Starkes Zeichen der Vielfalt“ 1,2 Millionen Menschen feiern den CSD in Köln
07.03.2022 17:09
Seit zwei Jahren kann der Kölner CSD wegen Corona nicht wie gewohnt stattfinden. Doch jetzt ziehen mehr Gruppen denn je im Zeichen des Regenbogens durch die Innenstadt. Trotz Partystimmung sorgt die Veranstaltung für große Besorgnis.
Bunt, laut und fröhlich: Mehr als eine Million Menschen feierten den Christopher Street Day in Köln und demonstrierten für Toleranz und Vielfalt. Rund 180 Fußgruppen und Musikwagen nahmen an der Parade durch die Innenstadt teil, mehr denn je. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 1,2 Millionen Besucher, die Polizei sprach von mindestens einer Million. Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Der Kölner CSD ist eine der größten Veranstaltungen für die lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, intersexuelle und queere (LGBTIQ) Community in Europa.
Trotz Partystimmung hat die Show ein großes Anliegen. Der Druck von homo- und transphoben Gruppen nehme zu, queere Menschen seien oft Opfer von Hass und Gewalt, sagte Jens Pielhau, Vorsitzender des Colony Lesbian and Gay Day Association (KLuST), der den CSD organisiert. „Dagegen wollen wir friedlich und frei demonstrieren, feiern und beweisen, dass wir viele sind.“
Ralf und Uwe sind unter den Besuchern und haben sich in extravagante pink-blaue Kleider geworfen. „Ich möchte mit meinem Kleid Lebensfreude ausdrücken“, sagt Ralf. Gleichzeitig wolle er im übertragenen Sinne sichtbar werden: “Es ist wichtig, angesichts von Homophobie und Extremismus Präsenz zu zeigen.”
„Gegen Hass und gegen Ausgrenzung“
Laut Marcel aus dem Kreis Viersen sei er sehr froh, beim CSD endlich so sein zu können, wie er sei: „Ich komme aus einem Dorf, in dem ich nicht so laufen kann, wie ich will“, sagte er. “Wenn ich Hand in Hand mit einem Mann die Straße überqueren müsste, würden sie mich ansehen und mir ausweichen.” Mit der Demonstration setze Köln „ein starkes Zeichen für Vielfalt, Toleranz, gegen Hass und gegen Ausgrenzung“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst von der CDU, der damit der erste Ministerpräsident in rund 30 Jahren Geschichte war. des CDD Köln.
Vorfälle wie der jüngste in Oslo zeigen, dass diese Zeichen noch aufgestellt werden müssen. Vor einer Woche erschoss ein Angreifer zwei Menschen und verletzte 21 in der Nähe einer beliebten Schwulenbar in Oslo. „Überall auf der Welt und leider auch in Deutschland arbeiten Extremisten, die uns unsere Freiheit nicht gewähren wollen“, sagte der queere Beauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann von den Grünen. „Das starke Signal von Köln ist: Diese Freiheit lassen wir uns nicht nehmen.“
Die Parade war der Höhepunkt eines CSD-Wochenendes mit großem Straßenfest und verschiedenen Bühnen in der Kölner Altstadt. Nach zwei Jahren mit starken Corona-Einschränkungen konnte die Veranstaltung erstmals wieder im gewohnten Rahmen stattfinden. An vielen Stellen erinnert der CSD an die Ereignisse von New York im Jahr 1969: Damals stürmten Polizisten eine Bar in der Christopher Street und lösten einen Aufruhr von Schwulen, Lesben und Transsexuellen auf.